Acht Religionskriege (1562-1598)

Die französischen Religionskriege ziehen sich sechsunddreißig Jahre lang hin. Das Königreich Frankreich ist damals mit 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land auf dem europäischen Kontinent. Die demographische Entwicklung beschleunigt sich noch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Frankreich gehört auch zu den reichsten Ländern; die Bevölkerung ist zu 90% ländlich, daher ist der Wohlstand vor allem im Agrarbereich angesiedelt. Die Zeit der Religionskriege führt zu Stagnation und Rückschritt, unter Heinrich IV. muss das Königreich wieder aufgebaut werden.

„Protestantismus und Religionskriege, diese beiden Ereignisse sind im kollektiven Gedächtnis miteinander verbunden“ (J. Garrisson). Die sechsunddreißig Jahre von 1562 bis 1598 gehören zu den dunkelsten Abschnitten der Geschichte Frankreichs.

 

Die Tragödie läuft in drei Akten ab:

1 – Den Aufschwung des Protestantismus, der in den 1520er Jahren mit dem Eindringen der Ideen Luthers nach Frankreich anhebt, könnte man als Prolog bezeichnen. Der Aufschwung wird rasch bekämpft, der erste Protestant stirbt bereits 1523 auf dem Scheiterhaufen. Einerseits entwickelt sich die protestantische Minderheit schnell, ihre Identität und ihr Einfluss sind überall erkennbar. Andererseits will die katholische Mehrheit dem traditionellen Glauben treu bleiben und die Gegenreformation bestärkt sie darin. Zwischen beiden laviert die geschwächte Königsmacht und versucht, den Staat vor dem Chaos zu rett

2 – Die Tragödie spielt sich in acht Bildern ab: die acht Religionskriege reichen vom Blutbad in Wassy im März 1562 bis zum Edikt von Nantes im April 1598. Friedens- und Kriegszeiten lösen einander sechsunddreißig Jahre lang in kurzen Abständen ab, sie bilden eine der dramatischsten Epochen in der Geschichte der französischen Monarchie. Zur Beendigung der Kampfhandlungen werden „Religionsfrieden“ unterzeichnet, die von Edikten bestätigt werden müssen, welche den Frieden herbeiführen sollen. Der Krieg wälzt sich in diesen tragischen Jahren durch das ganze Königreich und vereint Fanatiker, Märtyrer, Räuber, Abenteurer und Söldner: den Höhepunkt der Gewalttaten stellt das Massaker der Bartholomäusnacht dar.

3 – Das Edikt von Nantes im Jahre 1598 kann man als Nachwort bezeichnen. Heinrich IV. steht an der Spitze eines Königreiches, in dem zwar kein Bürgerkrieg mehr herrscht, das aber wieder aufgebaut werden muss. Das Edikt schützt die Protestanten, bedeutet aber gleichzeitig den Anfang des Niedergangs des französischen Protestantismus.

4 – Weitere Elemente machen die Regie dieses Schreckenstheaters verständlich, viele Faktoren kommen ins Spiel: Die Schauspieler reichen von Königen zum niedersten Volk, das Entstehen von Gegengewalten wie der Liga und dem Hugenottenstaat stellen in einem von Kriegs- und Bürgerkriegsgräueln bestimmten Dekor die königliche Zentralgewalt in Frage.

5 – Starke Persönlichkeiten prägen diese Epoche. Alle Familien werden vorgestellt und Sie können sich die Porträts der wichtigsten Handlungsträger der Religionskriege ansehen.

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