Sébastien Bourdon (1616-1671)

Das Leben des berühmtesten unter den reformierten Malern des 17. Jahrhunderts verlief zwischen seiner Geburtsstadt Montpellier und Paris, wo er bedeutende Aufträge erhielt und zusammen mit anderen protestantischen Künstlern durch die Gründung der Académie hervortrat. Ein weiterer Markstein seiner Karriere war ein Aufenthalt in Stockholm auf Einladung von Königin Christine von Schweden. Sein ganzes Leben lang ist er im protestantischen Milieu der französischen Hauptstadt sehr präsent.

Kindheit und Lehrjahre (1616-1636)

  • Sébastien Bourdon (1616-1671) © S.H.P.F.

Sébastien Bourdon kommt am 2. Februar 1616 in Montpellier in bescheidenen Verhältnissen als Kind einer Handwerkerfamilie zur Welt. Sein Vater, Marin, ist Maler und Glaser, seine Mutter, Jeanne Gaultière, die Tochter eines Goldschmiedemeisters. Das Kind wird am 10. Februar in der reformierten Kirche in Montpellier getauft.

Er ist sechs Jahre alt, als die Stadt, die die Herrschaft Ludwigs XIII. nicht anerkennt, vom Prinzen von Condé eingenommen wird und eine dramatische Zeit für sie beginnt. Nach dreimonatigem Widerstand endet die Belagerung mit der Wiederherstellung der königlichen Macht (1622).

Nun wird der junge Sébastien nach Paris geschickt, um eine Lehre bei einem Maler zu machen. Gegen 1630 ist er in den Gegenden von Bordeaux und Toulouse anzutreffen, dann geht er wieder nach Paris.

Sein Romaufenthalt, oder die Gefahren für einen Reformierten in der Stadt der Päpste (1636-1637)

Er setzt seine Lehre in Rom fort, dem idealen Ort für die Ausbildung der Künstler seiner Zeit. Dort verbindet ihn eine enge Freundschaft mit dem Maler Louis de Boullogne, dem Älteren, und er denkt sogar an eine Abschwörung, aber letztendlich kommt es nicht dazu.

Als ihm die Gefahr droht, von einem Maler, mit dem er sich gestritten hat, bei der Inquisition als Häretiker denunziert zu werden, sieht er sich gezwungen, Rom zu verlassen.

Die erste Pariser Zeit (1638-1652)

  • Sébastien Bourdon, Kreuzigung des heiligen Petrus © Notre Dame

Bei seiner Ankunft in Paris schließt er sich eng an den protestantischen Maler Louis du Guemier an und heiratet am 13. Januar 1641 in der reformierten Kirche in Charenton dessen Schwester Suzanne, die Witwe des Ingenieurs Nicolas Colsonnet.

Diese Ehe bindet in noch stärker an das Milieu protestantischer Künstler, Goldschmiede und Juwelenhändler

Die Wahl für den May, den die Goldschmiedezunft alljährlich Notre-Dame in Paris darbringt, fällt 1643 auf ihn, was seine Bekanntheit beweist. Das Werk Le Crucifiement de saint Pierre (Kreuzigung des Heiligen Petrus) befindet sich heute noch in Notre-Dame.

Sein 1648 geborener Sohn Abraham wird in der reformierten Kirche in Charenton getauft. Sein Taufpate ist Abraham Bosse.

In demselben Jahr nimmt Sébastien Bourdon aktiv an der Gründung der Académie teil und ist einer der zwölf „Ältesten“. Von Anfang an scheint er der Mittelpunkt einer sehr aktiven Gruppe in dieser Einrichtung gewesen zu sein, zu der auch sein Schwager Guemier, die beiden Testelins, Ferdinand Elle, Samuel Bernard, Thomas Pinagier und Abraham Bosse gehören.

Stockolm-Paris-Montpellier (1653-1658)

  • Werk von Bourdon © S.H.P.F.

In den Jahren 1652-1653 weilt Bourdon in Stockholm. Trotz seiner kurzen Dauer trägt dieser Aufenthalt viel zum Prestige des Künstlers bei, der von einem der gekrönten Häupter Europas, Königin Christine von Schweden, an deren Hof gezogen wurde.

Von 1653 bis 1657 ist Bourdon wieder in Paris, wo er nach der Fronde in einem für die Künstler günstigen Klima bedeutende Aufträge erhält.

Die Jahre 1657-1658 verbringt Bourdon in Montpellier. Dort erhält er den Auftrag zu dem Gemälde La Chute de Simon le Magicien (Der Sturz Simons des Magiers), das für den Hochaltar der Kathedrale Sankt Peter bestimmt ist, wo es sich jetzt noch befindet. Während dieses Aufenthalts malt er auch zahlreiche Porträts.

Die letzte Zeit in Paris (1658-1671)

Nach dem Tod seiner Frau im September 1658 geht Bourdon eine neue Ehe ein mit Marguerite Jumeau, der Tochter eines Kaufmanns in Tours. Die Trauung in der reformierten Kirche in Charenton wird von dem berühmten Pfarrer Drelincourt vorgenommen. Die neue Ehefrau gehörte wahrscheinlich einer Gruppe protestantischer Freunde um du Guemier an. Dieser Kreis begegnet uns wieder bei der Taufe des Sohnes von Henry Testelin, Sébastien, dessen Taufpate in der reformierten Kirche in Charenton am 11. November 1665 Bourdon ist.

Das Kind stirbt 1669 und wird auf dem Friedhof Saints-Pères in Anwesenheit von Bourdon begraben.

Der Künstler selbst stirbt am 8. Mai 1671 und wird am 10. auf dem Friedhof des Faubourg Saint-Germain beigesetzt.

Sämtliche Kinder von Sébastien Bourdon wurden auf dem Friedhof Saints-Pères beerdigt.

Nur Anne, geboren 1653, die ihn als einziges seiner Kinder überlebt hat, ist 1687 noch am Leben ; aber zu diesem Zeitpunkt hat sie nach der Aufhebung des Edikts von Nantes das Königreich Frankreich bereits verlassen.

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