Philadelphe Delord,
de Freund der Leprakranken (1869-1947)

1926 gründete der Pastor Philadelphe Delord mit Hilfe des Instituts Pasteur in der Kartause von Valbonne (Gard) das erste Sanatorium für Leprakranke in Frankreich. Dieses Sanatorium mit internationaler Ausstrahlung nahm im Zeitraum von 1929 bis 2003 mehrere Hundert Kranke auf.

Pastor und Missionar

  • Pastor Philadelphe Delord (rechts auf dem Bild) © Thierry Pellecuer

Philadelphe Delord wurde 1869 im Gard in einer alten protestantischen Familie geboren. Nach dem Theologiestudium in Genf wird er 1892 Pfarrer der Freien Kirche zuerst in Florac und dann in Marseille.

Im Dienst der Société des Missions Évangéliques de Paris (SMEP) geht er 1897 als Missionar nach Maré, einer zu den Loyalitätsinseln gehörigen Insel (Neukaledonien). Diese Stelle hat er bis 1910 inne.

Nach der Missionierung durch die Mission Society aus London wurde die Inselgruppe 1853 französisch. Delord ist dort der erste französische Missionar. Mit Hilfe der Natas, der eingeborenen Pastoren, leistet er bemerkenswerte Arbeit: er organisiert die Kirche, lässt Kirchen bauen, bringt die Christianisierung der Grande Terre in Gang, gründet Schulen, druckt Bücher, darunter die Bibel in Nengone, der Sprache von Maré.

Im Dienst der Leprakranken Ozeaniens (1898-1910)

  • Chaulmoogra (Pflanze) © Thierry Pellucuer

Ein Besuch der Leprastation Ha Athoua (Es ist zu Ende) im Jahr 1898 erschüttert ihn. Elend und Verlassenheit der Kranken machen ihn so betroffen, dass er sich entschlieβt, gegen die Lepra, genannt« la kabari », zu kämpfen. Er kümmert sich um die Hygiene, sammelt Lebensmittel und Kleider und lässt zwei Lepra-Krankenhäuser bauen.

1907 gelingt es ihm, eine aïouni (erlöst) genannte Preparation herzustellen. Delord vermischt Speiseöl (Olivenöl?) mit Chaulmoogra-Öl. Letzteres wird aus der Frucht eines Tropenbaumes namens hydnocarpus wightiana gepresst. Bis 1945 gab es keine andere Behandlung für die Leprakranken. Die Versuche mit aïouni waren überzeugend: die Wunden vernarbten, mehrere Kranke konnten wieder einer Tätigkeit nachgehen und einige wurden sogar für geheilt (nicht ansteckend) erklärt.

Von Lausanne zur Kartause von Valbonne (1910-1935)

  • Kartause von Valbonne (30) © Michel Widmer

1910 kommt Delord mit seiner Familie nach Europa zurück. Er lässt sich in Lausanne nieder, wo er bis 1918 als Agent der SMEP für die französische Schweiz arbeitet. Die ganze Zeit über kümmert er sich weiter um die Leprakranken, indem er aïouni herstellt und vertreibt und Vorträge hält.

Anfang des 20. Jahrhunderts stellt der Kampf gegen die Lepra in den französischen Kolonien (in Afrika, Ozeanien und Indochina) eine Priorität dar. In Frankreich werden die Kranken, deren Zahl auf mehrere Hundert geschätzt wird, in den Krankenhäusern der Großstädte (Paris, Marseille, Bordeaux…) versorgt, aber es gibt noch kein auf Lepra spezialisiertes Behandlungszentrum.

1922 gründet Philadelphe Delord in Verbindung mit der SMEP das Comité de Secours aux Lépreux (Hilfskomitee für Leprakranke). Es kümmert sich um vier Lepra-Krankenhäuser: Manakavaly auf Madagaskar, Orofara auf Tahiti, Chila auf Lifou et Bethesda in Maré.

1926 gründet er die Association de Secours aux Victimes des Maladies Tropicales (ASVMT) (Hilfsverein für die Opfer tropischer Krankheiten), die die Arbeit des Komitees fortsetzt und die Kartause von Valbonne bei Pont-Saint-Esprit (Gard) kauft. Trotz groβer Schwierigkeiten leitet Delord das 1929 eröffnete Sanatorium bis 1934, bevor er 1935 in den Ruhestand geht. Er stirbt 1947 in Valbonne. Er wurde neben seiner Gattin im Garten des Klosters beigesetzt, auf seinem Grabstein steht der Vers des Apostels Paulus: „Keiner von uns lebt sich selber.“

Pastor Philadelphe Delord hat im Kampf gegen die Lepra eine wichtige und von den Medizinern anerkannte Rolle gespielt. 1956 hat ihn Raoul Follereau, ein anderer „Freund der Leprakranken“, bei einem Besuch des Klosters Valbonne als den Gründer der „ersten Institution zur Aufnahme von Leprakranken in Frankreich“ geehrt.

Die ASVMT, die sich inzwischen um psychisch Kranke kümmert, gibt es bis heute.

Autor: Thierry Pellecuer

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