Paul Tillich (1886-1965)

1886 in Ostpreußen geboren, lutherischer Konfession, legt P. Tillich ein brillantes Studium der Theologie und der Philosophie ab und wird Pfarrer in einem Arbeitervorort von Berlin. Während des 1. Weltkriegs ist er Soldatenpfarrer an der französischen Front. Ab 1919 lehrt er an verschiedenen Universitäten. 1933 setzen ihn die Nazis wegen seiner politischen Einstellung ab. Er emigriert in die Vereinigten Staaten, wo er sich endgültig niederlässt.

Man unterscheidet in seinem Werk zwei Perioden : die deutsche und die amerikanische

  • Paul Tillich (1886-1965) © Collection privée

In Deutschland arbeitet er die Fundamente seiner Theologie aus und plädiert für einen ‚religiösen Sozialismus‘. Die Religion hat nicht die Welt zu bestimmen, aber wenn eine positive Möglichkeit auftaucht (wie der Sozialismus) muss die Religion ihr helfen, sich zu konkretisieren und sie daran hindern, sich zum schlechten zu wenden (dämonisch zu werden).

In den Vereinigten Staaten macht er die großen Themen seines Denkens einem neuen Publikum bekannt. Ohne je dem religiösen Sozialismus abtrünnig zu werden,interessiert er sich unter dem Einfluss des Existenzialismus und der Tiefenpsychologie für die persönlichen Dimensionen des christlichen Glaubens, zum Beispiel, für den Elan und die Dynamik, den er dem menschlichen Leben verleiht.

Sein theologisches Werk

Tillich hat ein theologisches und philosophisches Werk von außergewöhnlichem Ausmaß verfasst. Es will systematisch sein im Sinne, dass es verschiedene Gebiete in Beziehung zu setzen versucht (systematisieren heißt von der Etymologie her, „mehrere Dinge miteinander zu verbinden“). Die Botschaft des Evangeliums nimmt Sinn an in Bezug auf das, was die menschliche Existenz ausmacht. Man muss sich der Wissenschaft, der Kunst, der Philosophie, der Politik bedienen und von dem ausgehen, was den Menschen ängstigt und erfreut, was er fürchtet oder erhofft, nicht nur um die christliche Botschaft zu formulieren, sondern auch, um sie zu verstehen und zu durchdenken. Dien übliche Vorgehensweise des Protestantismus ist, zuerst die biblische Unterweisung zu analysieren und dann zu sehen, wie man sie an die menschliche Situation anpassen kann. Tillich schlägt hingegen vor, von der Situation zur Botschaft zu gehen, was ihm heftige Kritik eingebracht hat.

Für Tillich ist der Glaube weder eine Erkenntnis, noch ein Gefühl, auch keine Seelenruhe. Er ist eine Frage und Suche nach dem letzten Sinns unserer Existenz und der der Welt. Er räumt den Zweifel nicht aus, er schließt ihn ein und setzt sich ständig mit ihm auseinander. Er drückt sich in Symbolen aus, die götzendienerisch werden, wenn man sie wörtlich nimmt. Gott ist immer „über Gott hinaus“, das heißt, über das hinaus, was wir über ihn sagen, selbst über den Namen hinaus, mit dem wir ihn bezeichnen. Er ist sowohl Sinn als Macht (er ist weder ohnmächtiger Sinn noch sinnlose Macht. Er beherrscht das, was das Wesen angreift und zu zerstören droht. Diese Macht zeigt sich in Jesus Christus, der in der Welt und in uns ein „neues Wesen » entstehen lässt (ein neuer Adam oder eine neues Geschöpf).

Tillich bezeichnet sich als ein Denker an der Grenze (die für ihn keine Linie der Trennung ist, sondern ein Ort, wo man sich begegnet und austauscht : an der Grenze der Religion und Kultur, der Theologie und der Philosophie, des Sakralen und des Profanen. Er tritt in Dialog mit dem westlichen Atheismus, den nicht christlichen Religionen (insbesondere dem Buddhismus). Er vertritt die kritische Komplementarität des Katholizismus und des Protestantismus ; man muss sie nicht in Einklang bringen, sondern eine kritische Spannung und eine gegenseitige Interpretation schaffen. Neben oft fachspezifischen Werken veröffentlicht Tillich auch Sammlungen von Predigten, die für das breite Publikum zugänglicher sind.

Die Aufnahme seiner Theologie

Seine Theologie hatte eine große Resonanz in den Vereinigten Staaten. In Frankreich entdeckte man sie erst nach seinem Tod. Seine Werke wurden sowohl von Katholiken als auch Nichtkatholiken ins Französische übersetzt. Eine Paul Tillich Gesellschaft französischer Sprache organisiert internationale und interdisziplinäre Kolloquien, die über das Studium Tillichs hinaus Menschen aller Anschauungen einen wichtigen Ort zum nachdenken und debattieren bieten.

Ein Team aus Frankreich und Quebec, das vom kanadischen Katholiken Jean Richard und dem französischen Protestanten André Gounelle gemeinsam geleitet wird, führt die Übersetzung seiner Werke weiter fort (9 Bände sind bereits erschienen).

Autor: André Gounelle

Bibliographie

  • Bücher
    • Gesammelte Werk, en Allemand, Evangelium Verlagswerk, Stuttgart, 1966, Volume 14
    • Main works/ Hauptwerk, en anglais et en allemand, Walter de Gruyter, Berlin, 1989, Volume 6
    • Œuvres de Paul Tillich, Cerf, Labor et Fides, presses de l'Université Laval, Volume 7
    • GOUNELLE André, Dieu au-dessus de Dieu, collection « Petite bibliothèque protestante », Les Bergers et les Mages, Paris, 1997, p. 120
    • TILLICH Paul, Le courage d’être, Cerf, Labor et Fides, presses de l'Université Laval, Laval
    • TILLICH Paul, Théologie systématique, en cours de publication, Éditions du Cerf, Labor et Fides, presses de l'Université Laval, Volume 5

Dazugehörige Vermerke

Dazugehörige Rundgänge

Zufällige Vermerke