Paul-Henri Marron (1754-1832)

Paul-Henri Marron entstammte einer ins niederländische Refuge geflohenen hugenottischen Familie und diente der neu erstandenen reformierten Kirche von Paris als erster Pastor

Eine hugenottische Familie im Refuge

  • Paul Henry Marron, erster Pfarrer der Reformierten Kirche von Paris © S.H.P.F.

Paul-Henri Marron wurde in Leyden geboren. Er war ein Nachfahre von hugenottischen Glaubensflüchtlingen aus Saint-Paul-Trois-Châteaux (Departement Drôme).

Er studierte Theologie in Leyden und wurde dann Pastor in Dordrecht (1776).

1782 ging er als Kaplan an die niederländische Botschaft in Paris.

Pastor Marron hält den ersten reformierten Gemeindegottesdienst in Paris ab

Auf Betreiben von Rabaut Saint-Étienne nimmt die Gemeinde der Pariser Protestanten Paul-Henri Marron als Pastor auf.

Das Toleranzedikt von Ludwig XVI. (1787) räumte den französischen Nichtkatholiken einen von der katholischen Kirche unabhängigen Personenstand (Geburt, Trauung, Tod) ein. Die Protestanten konnten künftig ihren Glauben privat ausüben, durften sich aber nicht gemeinsam zum Gottesdienst treffen. Die Pariser Protestanten beschlossen, sich über dieses Verbot hinwegzusetzen : am 7. Juni 1789 versammelte sich ihre Gemeinde zum Gottesdienst in der Rue Mandetour in einem sonst für Hochzeiten und Festessen genutzten Saal hinter einer Weinhandlung. Im Februar oder März 1790 wurde der reformierte Gottesdienst im Haus Nr. 105 der Rue Dauphine abgehalten, in dem auch die von Antoine Court de Gébelin gegründete gelehrte Gesellschaft Le Musée de Paris [Pariser Ruhmeshalle] untergebracht war.

Der erste legale öffentliche Gottesdienst der reformierten Gemeinde von Paris

1791 vermietete die Pariser Stadtverwaltung mit Genehmigung der Revolutionsregierung die leerstehende Kirche Saint-Louis-du-Louvre an „eine Gesellschaft von Personen, die der protestantischen Religion angehören“. Am Sonntag dem 22. Mai 1791 fand dort „die erste öffentliche Versammlung des protestantischen Kultes“ statt.

Kraft eines Konsularerlasses vom 2. Dezember 1802 wurde die Kirche Saint-Louis-du-Louvre schließlich dem protestantischen Konsistorium offiziell als Tempel übergeben. Aber gegen 1806 beschloß Napoleon I., den Louvre mit den Tuilerien zu verbinden, wobei diese Kirche im Weg stand und abgerissen wurde. Die reformierte Gemeinde erhielt dafür den Oratoire du Louvre, ein Kirchengebäude, das 1621 nach Plänen des Architekten Jacques Lemercier erbaut worden war und das seit dem Beginn der Revolution der Comédie Française als Lagerhalle gedient hatte. Der Festgottesdienst zur Eröffnung dieses Tempels fand am 31. März 1811 statt.

Paul-Henri Marron wirkte am Tempel Saint-Louis-du-Louvre und danach – bis zu seinem Tode – am Oratoire du Louvre als Pastor.

Ihm hängt der Ruf eines Opportunisten nach. Es ist sicherlich richtig, daß er sich bemühte, mit allen Regierungen seit dem Sturz der Monarchie Ludwigs XVI. gut auszukommen. Bei jedem Machtwechsel drückte er in Versen und Prosa der neuen Obrigkeit seine Ehrerbietung aus. Es darf dabei jedoch nicht vergessen werden, daß er sich als Pastor in einer äußerst schwierigen Lage befand. Während der Schreckensherrschaft wurde er im Juni 1794 zweimal nacheinander ins Gefängnis geworfen, da er trotz der gesetzlichen Abschaffung des Christentums (zugunsten des „Kultes der Vernunft“, Mai 1794) weiterhin heimlich Taufen und Trauungen vollzogen hatte.

Bibliographie

  • Artikels
    • GARRISSON Francis, „Genèse de l’Église réformée de Paris, 1788-1791“, Bulletin de la SHPF, SHPF, Paris, 1991, Numéro 127, p. 25

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