Protestantischen Kirchen
in Paris

Katholische Kirchen und andere Bauten, die nach dem Konkordat (1801) protestantische Kultstätten wurden

In Paris wie in vielen anderen Städten Frankreichs kam es den Protestanten zu gute, dass ehemalige katholische Kultstätten nach der Revolution Nationalbesitz und ihnen zur Verfügung gestellt wurden.

Protestantische Kirche von Billettes (rue des Archives)

  • Lutherische Kirche von Billettes (75) © S.H.P.F.

Das ehemalige Karmeliterkloster Billettes (der Name kommt vom Schmuckelement auf dem Mönchsgewand) wurde1290 an der Stelle errichtet, wo ein ‚Wunder‘ stattgefunden hatte (eine von einem Juden mit Messerstichen durchbohrte Hostie soll gen Himmel entschwebt sein). Das Kloster stammt aus dem 15 Jahrhundert und ist das einzige, das in Paris aus dem Mittelalter überlebt hat. Die Kirche wurde 1756 wieder aufgebaut. Die Gebäude dienten während der Revolutionszeit als Salzspeicher. Sie wurden 1808 der lutherischen Kirche zugewiesen und erneuert. Der erste Gottesdienst fand am 26. November 1809 statt.

Protestantische Kirche von Pentemont (rue de Grenelle)

  • Kirche von Pentemont (Aussenansicht) © O. d'Haussonville

Ehemaliges Frauenkloster der Filles du Verbe Incarné, 1671 von den Bernardines genannt Clairettes, abgelöst wurden, die aus Panthémont (Oise) kamen, um Mädchen ‚vornehmer Herkunft‘ zu erziehen und alte Damen zu pflegen.

Die Kapelle wurde 1747 von Pierre Contant (ou Constant) d’Ivry (1698-1777) gebaut.

Als Hirsespeicher in der Revolutionszeit, dann Viehfutterdepot der Armee, wird die Kirche nach dem Konkordat ein Nebengebäude des Oratoire. Obwohl sie bereits 1803 dem reformierten Konsistorium überlassen wurde, wird sie erst 1846 genutzt. Nach der Widerrufung versammelten sich die Protestanten des Viertels in den holländischen und schwedischen Botschaftskapellen.

Protestantische Kirche Oratoire du Louvre (rue Saint-Honoré)

  • Paris, Kirche des Oratoire des Louvre (1829), Gravur von Romney © Collection privée
  • Temple protestant de l'Oratoire du Louvre © Thibault Godin
  • Temple protestant de l'Oratoire du Louvre (rue de Rivoli) © Thibault Godin
  • Temple protestant de l'Oratoire du Louvre (intérieur) © Thibault Godin

1621 gründet der Vater von Bérulle die Kongregation des Oratoire und beginnt den Bau der Kapelle des Oratoire.

Die Pläne stammen von Jacques Lemercier (1585-1654). Der Grundstein wird am 22. September 1621 gelegt. Louis XIII. entwirft eine ‚große Bauzeichnung‘ und beschließt, einen Flügel des Louvre bis zur Rue Saint-Honoré zu verlängern, was dazu führt, dass die Kapelle sich schräg zur Rue de l’Oratoire befindet.1625 werden die Arbeiten 10 Jahre lang eingestellt

Von 1642 bis 1643 werden dort die Totenfeiern von Kardinal Richelieu und Louis XIII. und 1666 die von der Königin Anne d’Autriche im Beisein von Mazarin abgehalten.

Erst 1740 wird das Schiff beendet, und das große Portal wird 1745 gesetzt. 1793 wird die Kirche verwüstet, geplündert und umfunktioniert in einen Vortragsraum, einen Arbeitssaal, einen Lagerraum für Bühnendekoration.

1811 stellt Napoléon I. das Oratoire dem reformierten Gottesdienst zur Verfügung.

Das Innere des Gebäudes wird für den protestantischen Gottesdienst ganz neu eingerichtet, Die Holztäfelungen stammen aus der ehemaligen katholischen Kirche Saint-Louis du Louvre, in der man von 1790 bis 1811 den protestantischen Gottesdienst feierte, ehe sie abgerissen wurde.

Der erste Pfarrer des Oratoire war Paul-Henri Masson (1754-1832), zuvor Kaplan der holländischen Botschaft. Es ist die größte reformierte Kirche von Paris. Sie verfügt über eine bemerkenswerte Orgel. In der Rue de Rivoli steht neben der Kirche das Denkmal von Admiral Gaspard de Coligny, das 1889 vom Achitekten Scellier de Gisors und dem Bildhauer Crauck errichtet wurde.

Protestantische Kirche des Marais (rue Saint-Antoine)

  • Protestantische Kirche Sainte Marie © O. d'Haussonville

Diese ehemalige Kapelle des Frauenklosters Filles de la Visitation oder Visitandines wurde von François Mansart zwischen 1632 und 1634 gebaut. Saint Vincent-de-Paul war 28 Jahre lang der geistliche Leiter des Klosters.

1790 werden Kloster und Kapelle Nationalbesitz und ihres Mobiliars beraubt ; sie dienen als Zwischenlager für Bücher, die bei den Einwanderern beschlagnahmt wurden. 1792 müssen die Visitandines ihr Kloster verlassen. In der Kapelle versammelt sich der Verein der Gesetzesfreunde und ein revolutionärer Klub, der von Théroigne de Méricourt geleitet wird. 1796 werden die Gebäude verkauft, dann mit Ausnahme der Kapelle zerstört. Am 1. Mai 1803 erlaubt Bonaparte den Protestanten, die Kapelle für ihren Gottesdienst zu nutzen.

Seit der Revolution gibt es eine merkwürdige Jakobinermütze über einer Tür. Das Wappen der Coulanges, Wohltäter der Visitandines ist in einer Kapelle noch sichtbar.

Im Untergeschoss findet sich eine sehr schöne gewölbte Krypta.1830 wurde dort die nationale Totenfeier für Benjamin Constant, ein Freundes von Mme de Staël, abgehalten.

Diese protestantische Kirche trug vorher den Namen Sainte – Marie

Protestantische Kirche der Rédemption (rue Chauchat)

Dieses ehemalige Zollgebäude, das Lussau von 1821 bis 1825 im Stil des Architekten Claude-Nicolas Ledoux (1736-1806) gebaut hatte, wurde der lutherischen Kirche zugeteilt. Da die Kirche von Billettes zu klein war, wurde dort der erste Gottesdienst am 25. Juni 1843 gefeiert. Die Herzogin von Orléans, Helene von Mecklenburg, war eine eifrige Kirchgängerin, ebenso Baron Haussmann.

Protestantischen Kirchen
in Paris

Bibliographie

  • Bücher
    • DUBIEF Henri et POUJOL Jacques, La France protestante, Histoire et Lieux de mémoire, Max Chaleil éditeur, Montpellier, 1992, rééd. 2006, p. 450
    • LAURENT René, Promenade à travers les temples de France, Les Presses du Languedoc, Millau, 1996, p. 520

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