Marie Dentière, oder d’Ennetières (um 1495-1561)

Augustinerpriorin, um 1524 zum Protestantismus konvertiert, war sie die erste reformierte Theologin in Genf.

Biographie

Gegen 1495 wird sie in Tournai in Flandern geboren. Ihre Familie gehört dem niedrigen Asdel an. Zwischen 1521 und 1524 ist sie Priorin im Kloster der Augustinerinnen der Abtei von Saint-Nicolas-des-Prés in Tournai..

Sie macht sich um 1524 die Ideen Luthers zu eigen und verlässt dann ihr Kloster, um sich in Straßburg niederzulassen, wo sie Simon Rober heiratet, einen ehemaligen Geistlichen und Mitglied des Kreis von Meaux. Das Ehepaar zieht nach Bex, dann nach Aigle in der Schweiz (1528), wo Simon Robert bis zu seinem Tod 1533 als Pfarrer tätig ist. Marie Dentière heiratet dann den aus der Dauphiné stammenden Pfarrer Antoine Froment und zieht 1535 zu ihm nach Genf, wo sie 1561 stirbt.

Frauen, die sich als Laien mit Theologie befassen sind im Calvinismus noch seltener als im Luthertum.

Ihre Werke

L’abécédaire ou grammaire élémentaire en français. Diese Grammatik war wohl die erste ihrer Art, da die vorangehenden in Latein waren.

La guerre et deslivrance de la ville de Genesve (1536). Hier handelt es sich um ein historisches Werk, das sogar als erstes in Genf nach der Reformation veröffentlichtes historisches Werk angesehen wird.Es geht um die drei Jahrzehnte, die der Einführung der Reformation in Genf 1536 vorangegangen sind. Es ist die Zeit, als die Beziehungen zum Herzog von Savoyen angespannt sind, als die theologischen Debatten nach der Ankunft von Guillaume Farel in Genf heftig werden und als sich schließlich die Reformation durchsetzt. Dieses Blatt der Geschichte wird von Marie Dentière mit einem Optimismus dargestellt, den manche übertrieben fanden.

L’Epistre très utile, der Königin von Navarra gewidmet, ist ein theologisches Traktat, das 1539 veröffentlicht wird und eine Doktrin aufzeigt, die der Kirche Genfs vor Calvin sehr nahe steht, die unter dem Einfluss des Geistes von Meaux stand.Der Ausgangspunkt ist das Festhalten am allgemeinen Priesteramt und der Bibel als alleiniger Quelle jeglicher theologischer Norm. Außerdem betont Marie Dentière den Aspekt der Erinnerung beim Abendmahl.Dieses Werk wurde als Ausdruck eines radikalen Feminismus betrachtet, denn sie fordert auch für Frauen das Recht, sich in die Kirche einzuschalten.Sie plädiert nämlich für eine gleiche Behandlung von Männern und Frauen, was ihre Fähigkeit betrifft, die sakralen Texte zu verstehen. Man soll sich allein auf die Bibel beziehen auf Kosten der Traditionen.

Marie Dentière soll auch ein Vorwort zu Calvins Predigt über die Kleidung der Frauen, 1561 veröffentlicht, verfasst haben.

Bibliographie

  • Bücher
    • La guerre et deslivrance de la ville de Genève, Société d'histoire et d'archéologie de Genève, Genève, 1879-1888, Tome 20, p. 309-384
    • GRASSLE Marie, Vie et légendes de Marie Dentière, Centre protestant d'études, Genève, 2003
    • HERMINJARD Aimé Louis (ed), Correspondance des Réformateurs, Epistre tres utile faicte et composée pour une femme chrestenne de Tornay, envoyée à la Royne de navarre seur du Roy de France, Genève, 1878, Tome 5, p. 295-305
    • KEMP William et DESROSIERS-BONIN Diane, Bibliothèque d’Humanisme et Renaissance, "Marie d'Ennetières et la petite grammaire hébraïque de sa fille d'après la dédicace de l'Epître à Marguerite de Navarre (1539)", 1998, Tome 51, p. 117-134
    • SKENAZI Cynthia, Marie Dentière et la prédication des femmes, Renaissance et réforme, 1997, p. 5-18
  • Artikels
    • BACKUS Irena, „Marie Dentière : un cas de féminisme théologique à l’époque de la Réforme ?“, Bulletin de la SHPF, SHPF, Paris, p. 177-195

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