Die ersten Schismen innerhalb des Christentums

Das Christentum entwickelt sich im Römischen Reich sehr schnell und sehr vielseitig. Streitereien entstehen, die durch ökumenische Konzile beigelegt werden. Diese definieren die richtige Lehre und verdammen die anderen. Sie führen zu zahlreichen Schismen.

Die Urkirche

  • Ichtus © SHPF

Die ersten christlichen Kirchen werden von einem Apostel oder Evangelisten gegründet: die wichtigsten Kirchen des Römischen Reiches sind die in Alexandria, Antiochien und Jerusalem im Osten, die in Rom im Westen.

Bis zum Beginn des 4. Jahrhunderts verfolgt die Macht der römischen Kaiser die Christen: die Freiheit des christlichen Kultus im Römischen Reich wird durch das Edikt von Mailand im Jahre 313 anerkannt.

Der Kirche von Konstantinopel kommt ab 330 besondere Bedeutung zu, als Kaiser Konstantin Byzanz unter dem Namen Konstantinopel zu seiner Hauptstadt macht.

Im Jahre 391 wird das Christentum durch den Willen von Kaiser Theodosius zur offiziellen Religion der Römischen Reiches.

Die Weiterentwicklungen der christlichen Konfessionen © Musée Virtuel du Protestantisme

Legende
A : Christen nestorianischer Herkunft
B : Christen monophysitischer Herkunft

Die Christen der ersten Schismen

Von Anfang an kennt das Christentum Uneinigkeit in seinen Reihen. Wenn die theologischen Diskussionen in Streitigkeiten ausarten, führen sie zu Spaltungen und Schismen.

Die Arianer

Diese Christen folgen dem Gedankengut von Arius, einem Theologen aus Alexandria im 4. Jahrhundert.

Arius betont die absolute Transzendenz Gottes. Für ihn ist der Sohn von Gott erschaffen worden und hat seine Göttlichkeit von ihm. Er ist ihm also untergeordnet.

Der Arianismus wird vom Konzil von Nicäa, das 325 von Kaiser Konstantin einberufen wurde, als Häresie betrachtet. Der Arianismus breitet sich zwar eine Zeit lang im Römischen Reich aus, allerdings an seinen Rändern innerhalb der germanischen Stämme (besonders der Westgoten), und er verschwindet nach und nach im Laufe des 7. Jahrhunderts.

Die Nestorianer

Diese Christen folgen dem Gedankengut von Nestorius, einem Patriarchen von Konstantinopel (381-451).

Die Nestorianer behaupten, dass in Jesus zwei Personen leben, eine menschlicher und die andere göttlicher Natur; so kann ihnen zufolge Maria nicht als Mutter Gottes bezeichnet werden: sie ist die Mutter des Menschen Jesus.

Ihre Bewegung wird vom Konzil von Ephesus 431 zurückgewiesen.

Die Nestorianer bilden daraufhin die „Kirche der zwei Konzile“, da sie nur die beiden ersten ökumenischen Konzile anerkennen (Nicäa und Konstantinopel).

Die Monophysiten

Diese Christen folgen dem Gedankengut von Eutyches und Dioskorus aus Alexandria.

Die Monophysiten behaupten, dass Jesus, der Sohn, nur eine einzige und zwar göttliche Natur besitze, da diese seine menschliche Natur aufgesogen habe.

Sie spalten sich nach 451 im Konzil von Chalcedon ab. Sie bilden die „Kirche der drei Konzile“, da sie nur die drei ersten ökumenischen Konzile anerkennen.

Sie gliedert sich in

  • die Kirchen der koptischen Tradition (die koptische orthodoxe Kirche; die äthiopische orthodoxe Kirche; die eritreische orthodoxe Kirche, die 1993 aus der äthiopischen orthodoxen Kirche hervorgegangen ist);
  • die Kirchen syriakischer Tradition (die syriakische orthodoxe Kirche; die malankarische orthodoxe Kirche …);
  • die Kirche armenischer Tradition (die armenische apostolische Kirche).

Der Begriff „orthodox“ ist von einigen Kirchen monophysitischen Ursprungs übernommen worden, ohne dass diese jedoch mit den Orthodoxen in Verbindung stünden.

Die sieben ersten ökumenischen Konzile

Das Konzil von Nicäa ist das erste ökumenische Konzil, das vom Kaiser wegen der Kontroversen, die die christlichen Gemeinschaften zerreißen und Unruhe im Reich stiften, einberufen wurde.

Ökumenische Konzile sind Versammlungen, zu denen alle Bischöfe des Christentums einberufen werden. Wegen der Spaltungen erkennen einige Kirchen oder Gemeinschaften nur eine begrenzte Anzahl dieser Konzile an, je nach dem Zeitpunkt ihrer Abspaltung.

Die sieben ersten Konzile werden von der orthodoxen Kirche ebenso anerkannt wie von der katholischen Kirche.

  1. Das Konzil von Nicäa (325)

Verdammung des Arianismus, der als Häresie angesehen wird; Glaubensbekenntnis und Symbol von Nicäa; Einheit und Wesensgleichheit zwischen Vater und Sohn. Vier Erzbischofssitze (Sitze der Kirche): Alexandria, Antiochien, Jerusalem und Rom.

  1. Das Konzil von Konstantinopel (381)

Der Heilige Geist als dritte Person der Dreifaltigkeit: er geht vom Vater aus. Das Symbol von Nicäa wird vervollständigt: man spricht seitdem vom Symbol von Nicäa-Konstantinopel.

Fünf Metropolitensitze: Alexandria, Antiochien, Jerusalem, Rom und Konstantinopel.

  1. Das Konzil von Ephesus (431)

Verdammung des Nestorianismus, der als Häresie betrachtet wird.

  1. Das Konzil von Chalcedon (451)

Verdammung des Monophysitismus, der als Häresie betrachtet wird. Bestätigung der doppelten Natur Christi, göttlich und menschlich.

Fünf Patriarchate (ehemals Metropolitensitze): Alexandria, Antiochien, Jerusalem, Rom und Konstantinopel.

  1. Das Konzil von Konstantinopel II (553)

Verdammung von Schriften, die der nestorianischen „Häresie“ verdächtigt werden.

  1. Das Konzil von Konstantinopel III (680)

Bestätigung der zwei Naturen Christi, göttlich und menschlich.

  1. Das Konzil von Nicäa II (787)

Verdammung der ikonoklastischen Bewegung, die die Bilderverehrung verbieten will.

Bibliographie

  • Bücher
    • ALBERIGO Giuseppe, Les conciles œcuméniques. I. L’histoire, Cerf, Paris, 1994
    • ARMOGATHE Jean-Robert, Histoire générale du christianisme, PUF, 2010
    • VEYNE Paul, Quand notre monde est devenu chrétien, Albin Michel, Paris, 2010

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