Die protestantische Propaganda in den neutralen Ländern

Während des Ersten Weltkrieges, einige Monate nach der Gründung des „Katholischen Komitees für französische Propaganda im Ausland“, wird ein protestantisches Propagandakomitee geschaffen, um die neutralen protestantischen Länder anzuregen, auf Seiten Frankreichs und seiner Alliierten in den Krieg einzutreten.

Das protestantische Komitee für französische Propaganda

  • Soldat lisant dans une tranchée (1915)
    © Collection privée

Dieses 1915 entstandene Komitee schickt mehrere Delegationen in die Schweiz, die Niederlande, nach Skandinavien und in die Vereinigten Staaten mit dem Ziel, diese Länder dazu zu bewegen, in den Krieg einzutreten. Die größte Bedeutung wird dem Austausch mit dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson beigemessen, damit er sich auf die Herausführung seines Landes aus dem Isolationismus einlässt, indem er zum Beispiel daran erinnert wird, dass der ehemalige Präsident Theodor Roosevelt sich seit Beginn des Konfliktes auf die Seite Frankreichs gestellt hat.

 

Die Verbreitung der Propaganda

  • Aumôniers et soldats malgaches et tahitiens (1917)
    © DEFAP (Service protestant de mission)

Die Propaganda verbreitet sich durch zahlreiche Veröffentlichungen des Komitees: das monatlich erscheinende Bulletin protestant français (Das protestantische französische Nachrichtenblatt) und kleine Broschüren. Diese Zeitung analysiert die Kriegsziele Deutschlands und liefert Nachrichten von der Front, indem sie die deutsche Regierung und Armee maßlos kritisiert. Ihr Ziel besteht darin, die neutralen Länder in Aufruhr zu versetzen, um ein als gemeinsam dargestelltes Zivilisationsideal zu verteidigen.

Diese Propaganda hat Anteil am Kriegseintritt der Vereinigten Staaten 1917, der die Niederlage Deutschlands und des österreichisch-ungarischen Reiches beschleunigt.

Sie hat dagegen viel weniger Einfluss auf die Niederlande, die sich aus politischen Gründen weigern, Truppen in den Konflikt zu schicken, und auf die Schweiz, die dies wiederum mit dem Argument ablehnt, der Geist der Reformation zwinge sie zur Neutralität.

Eine Institution im Dienste der Versöhnung

Am Ende des Krieges wird das „Protestantische Komitee für französische Propaganda im Ausland“ zu einer wichtigen Institution in der deutsch-französischen Versöhnung. In seinem Nachrichtenblatt erklärt es den Gang der Verhandlungen zwischen den Siegern rund um den Versailler Vertrag.

1927 ändert das Komitee seinen Namen und wird zum „Protestantischen Komitee für die französischen Freundschaften im Ausland“, um klarzustellen, dass die Zeit des Krieges und der Nachrichtenmanipulation vorbei ist und dass es nun darum geht, brüderliche Beziehungen zwischen den Völkern zu schaffen und auszubauen.

Autor: Nicolas Flandé

Bibliographie

  • Artikels
    • CARBONNIER Denis, „Le Comité protestant de propagande française à l’étranger (1915-1927)“, Bulletin, Société de l’Histoire du Protestantisme Français, Paris, 2014, p. 185-217

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