Heinrich Bullinger (1504-1575)

Der Theologe und Reformator Heinrich Bullinger festigt 1531 nach dem Tod Zwinglis die Reformation in Zürich. Beim Aufschwung der reformatorischen Bewegung in Europa spielt er eine wesentliche Rolle.

Unter dem Einfluss der Reform

  • Heinrich Bullinger (1504-1575) © S.H.P.F.

Heinrich Bullingers Vater war Pfarrer in Bremgarten im Kanton Aargau, dort wird Heinrich 1504 geboren. Er sollte in den geistlichen Stand eintreten und studierte von 1519 – 1522 an der Universität Köln. Die Lektüre von Erasmus, Melanchthon und Luther veranlassten seine Hinwendung zur Reformation.

1523 unterrichtet er Bibelexegese im Zisterzienserkloster von Kappel (Kanton Zürich), ohne sich zum Priester weihen zu lassen, und erweitert seine Griechisch- und Hebräischkenntnisse. Er macht Bekanntschaft mit Zwingli und vertieft sich in dessen Schriften. 1529 heiratet er Anna Adlischweiler, eine ehemalige Nonne. Er wird zum Pastor in seiner Geburtsstadt Bremgarten berufen, nachdem sein Vater dort wegen seines Übertrittes zur Reformation abgesetzt worden war.

Nachfolger Zwinglis in Zürich

1531 fiel Zwingli in der Schlacht bei Kappel, an der er als Feldgeistlicher teilnahm. Dabei trugen die katholischen Kantone den Sieg über die Zürcher davon. Durch diese Niederlage wird der Aargau wieder katholisch. Bullinger muss mit seiner Familie Bremgarten verlassen und geht nach Zürich. Er erhält zwar Rufe aus Bern, Basel und Zürich, entscheidet sich aber für Zürich, wo er vom Großen Rat zum Antistes (obersten Pastor) gewählt wird.

Er festigt die Reformation in der Stadt und im Kanton, die nach dem Tod Zwinglis unter dem Druck der Katholiken gefährdet ist. Auch widersetzt er sich den Wiedertäufern, lässt sie aber nicht verfolgen, weil er Gewalt gegen Andersgläubige ablehnt.

Er lehnt die vollständige Trennung der Kirche von der weltlichen Macht ab, verteidigt jedoch die Freiheit der Predigt und ist gegen die Oberhoheit des Staates über die Kirche: 1532 gelingt ihm die Schaffung eines aus Ratsherren und Pastoren gemischten Komitees zur Überwachung der kirchlichen Angelegenheiten.

Er ist ein herausragender Prediger, der zwei oder dreimal in der Woche predigt, und Historiker: In seiner Chronik von Zürich schreibt er die geschichtliche Entwicklung der Stadt von den Römern bis zur Reformation auf. Er verfasst eine Biografie Zwinglis und gibt dessen Werke heraus.

Der Theologe als Verbreiter der Reformation in Europa

Bulliger entwickelt eine Theologie des Bundes in De testamento seu foedere Dei unico et aeterno (1536).

Er nimmt zahlreiche protestantische Flüchtlinge aus England und Italien in Zürich auf und sein Haus steht allen offen, die Hilfe benötigen und sich an ihn wenden.

In der Abendmahlsfrage bleibt er auf der Linie Zwinglis und lehnt jeden Kompromiss mit Luther ab: Er vertritt die symbolische, nicht reelle Gegenwart Christi im Abendmahl.

Mit Calvin erarbeitete er 1549 den Consensus Tigurinus, der eine Einigung in der Abendmahlsfrage zwischen Zwinglianern und Calvinisten herbeiführte und so die Separatentwicklung der beiden reformierten Richtungen verhinderte. Auch schreibt er eine Sammlung doktrinaler Thesen, das Zweite Helvetische Bekenntnis, das 1566 von den meisten protestantischen Kantonen angenommen und zur Referenz für das ganze reformierte Europa wird.

Bullinger hatte beträchtlichen Einfluss durch seine Predigten, seine Bibelkommentare und seinen überaus umfangreichen Briefwechsel: mit über 12 000 Briefen stand er mit Theologen, Pastoren, regierenden Prinzen und Politikern in ganz Europa im Gedankenaustausch. Er beeinflusste besonders die puritanische Bewegung in England. Sein Hauptwerk ist eine auf Lateinisch erschienene Abhandlung zur Pastoraltheologie, die Dekaden.

Seine Frau und ein großer Teil seiner Familie fielen der Pestepidemie 1554-1556 zum Opfer.

1575 starb er im Alter von 71 Jahren in Zürich nach 44 Jahren Amtstätigkeit in dieser Stadt.

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