Germaine de Staël (1766-1817)

Eine der großen literarischen Figuren der Vorromantik, berühmt durch ihren Kampf gegen Napoleon, den sie hofft, überzeugen zu können, demokratischer zu sein, und der sie nach Coppet exiliert, wo sie die aufgeklärtesten Denker Europas empfängt. Ihr Werk wurde von ihren Zeitgenossen sehr geschätzt.

Ein bewegtes Leben

  • Madame de Staël (1766-1817) © Collection Château de Coppet

Germaine Necker, durch ihre Heirat Baronin de Staël, ist die Tochter des berühmten Genfer Bankiers Jacques Necker (1732 – 1804), letzter grosser Minister unter Ludwig XVI. ; ihre Mutter war die Tochter eines schweizer Pfarrers. Als junges Mädchen begegnet Germaine Necker im literarischen Salon ihrer Mutter den literarischen Berühmtheiten, den Repräsentanten des Adels und der Politik. Als Protestantin heiratet sie 1786 den Baron von Staël, Holstein, schwedischer Botschafter in Paris – eine unpassende Ehe, die sie in die Arme zahlreicher Liebhaber treibt, darunter Benjamin Constant, bis sie am Ende ihres Lebens John Rocca heiratet.

In diesen vorrevolutionären Jahren widmet sie sich mit Leidenschaft der Politik. Sie glaubt, dass der Schriftsteller in der Politik eine Rolle spielt. Während ihres ganzen Lebens sucht sie den Sieg der Demokratie, für die ihr England Modell steht.

Ihre literarischen Werke, De la littérature considérée dans ses rapports avec les institutions, und ihre erfolgreichen Romane Delphine und Corinne bringen ihr das Misstrauen der jeweiligen Macht ein, und sie wird mehrmals aus Paris ausgewiesen, vom Direktorium, dann von Napoleon, der sie im Schloss von Coppet, in der Nähe von Genf, einsperrt.

Sie entdeckt Deutschland, schreibt ihr Buch De l’Allemagne, dessen Veröffentlichung von Napoleon verboten wird. In Coppet empfängt sie die eminentesten Denker Europas – Chateaubriand, Byron, Sismondi… – mit denen sie leidenschaftliche Diskussionen führt. Man hat sagen können : « In Coppet wird an einem Tag mehr nachgedacht als im Rest der Welt in einem Jahr . » Stendhal schrieb sogar : « In Coppet finden die Generalstabsversammlungen der europäischen Meinung statt . » Von 1812 an unternimmt sie eine grosse Reise durch Europa, wo Krieg herrscht, und beschreibt diese Länder im Osten in Dix annés d’exil. Sie spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Napoleon dank ihres Einflusses auf die öffentliche Meinung und ihrer guten Verbindungen mit den Mächten der Allianz.

Sie stirbt in Paris, aber ihr Geist lebt in der « Gruppe von Coppet » weiter, die in Europa ein sehr kraftvolles europäisches Gedankengut verbreitet.

Eine tief vom Protestantismus geprägte Existenz

  • Benjamin Constant (1767-1830)

Wenn ihre religiösen Ideen sich im Laufe ihres Lebens auch verändern, so entwickelt sie sich doch im Rahmen des Protestantismus, dem sie ernsthaft verbunden ist.

Sie ist von ihren Eltern in einem Protestantismus des 18. Jahrhunderts erzogen worden, tolerant und den Ideen der Aufklärung nahe : der Akzent liegt auf der Moral und der Offenbarung « des Höchsten Wesens » . Sie muss einen protestantischen Adligen heiraten, was die Wahl im katholischen Frankreich, das sie nicht verlassen will, einschränkt. Ihre evangelische Trauung wird in der Kapelle der Schwedischen Botschaft von Frankreich vollzogen.

Nach der Schreckensherrschaft träumt sie von einer Religion, die dieselbe für alle wäre, und sie schlägt den Protestantismus als offizielle Religion in Frankreich vor.

In Coppet übt sie ihre Religion aus, geht in die reformierte Kirche, gibt ihren jungen Söhnen einen Pfarrer als Hauslehrer und lässt ihre religiöse Unterweisung von zwei Pfarrern traditionellen Glaubens durchführen. « Ich lege Wert auf unsere Religion, auf die meines Vaters und die meiner Mutter, und mein Sohn soll sie nicht verwerfen. »

Trotz alledem interpretiert sie die christlichen Grundsätze auf eine sehr freie Art, setzt sich für eine Religion des Herzens ein, schätzt die Toleranz und den Sentimentalismus ; sie kennt eine mystische Periode. Am Ende ihres Lebens kehrt sie zu einem traditionelleren Christentum zurück.

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