Gédéon Tallemant des Réaux (1619-1692)

Das Werk dieses protestantischen Schriftstellers, der zwischen satirischer Beobachtung und Anekdote schwankte, litt unter dem Ruf der Leichtfertigkeit und wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts anerkannt. Sein persönliches Leben wurde von der Zerrissenheit der Jahre vor der Widerrufung des Edikts von Nantes geprägt.

Brillante Anfänge in Paris

  • Gédéon Tallemant des Réaux © Collection privée

Tallemant des Réaux wird 1619 in einer protestantischen Bankiersfamilie in La Rochelle geboren. Er kommt sehr jung nach Paris und befreundet sich mit Valentin Conrart. Dieser ist ebenfalls Protestant, sehr gebildet, Sekretär Ludwigs XIII. und schart einen Kreis von Schriftstellern um sich, der später den ersten Kern der Académie Française bilden wird.

Aber Tallemant gehört auch zum mondänen und glanzvollen Milieu der Marquise de Rambouillet, geborene Catherine de Vivonne, die ein Stadtpalais am Louvre bewohnt und in ihrem Salon die großen Geister der Zeit versammelt : Malherbe, Racan, Corneille, Rotrou, Conrart.

Dort sammelt er den Stoff für seine Historiettes oder „Histörchen“, wie er sie nennen wird. In dieser Sammlung, die Tallemant bis 1659 immer weiter vervollständigt, vermischt er oft krasse Anekdoten mit sehr treffenden, jedoch unbarmherzigen Beobachtungen der Pariser Sitten zur Zeit Ludwigs XIII. und zu Beginn der Regierung Ludwigs XIV. Ihre fast verschwörerische Verbreitung „unter dem Ladentisch“ und ihre Leichtfertigkeit haben den „Histörchen“ keinen guten Dienst erwiesen. Sie werden eher als Informationsquelle für ein Milieu gewertet anstatt als literarisches Werk anerkannt zu werden, das überdies als nicht klassifizierbar betrachtet wird. Aber ihre Veröffentlichung 1834 durch den Verleger Monmerqué ließ ihnen Gerechtigkeit widerfahren. Ihre „erzählerische Qualität“ wird mit den Schriften der Madame de Sévigné auf eine Stufe gestellt, und ihr „umfassendes Zeitzeugnis“ als ebenbürtig mit den Memoiren von Saint-Simon gelobt.

Ein trauriges Lebensende

Auf Grund seiner besonderen gesellschaftlichen Stellung, sehr begütert, aber Hugenotte, vielseitig gebildet, kultiviert, nicht pedantisch, ist Tallemant vielen Schichten verbunden, ohne Partei zu ergreifen, und befindet sich schließlich in großer Einsamkeit.

Sein Lebensende wird von familiärer Zerrissenheit überschattet. Seine Frau schwört 1660 dem Protestantismus ab. Seine Tochter, die ihrem reformierten Glauben treu bleiben will, wird aus Frankreichausgewiesen ; er selbst bekehrt sich 1684 zum Katholizismus.

Bibliographie

  • Bücher
    • MAIGNE Vincenette, Tallement des réaux-le Cabinet d’un amateur, Klincksieck, Paris, 1992

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