Edmond Jeanneret (1914-1990)

Als Pastor der Reformierten Kirche von Neuchâtel hat Edmond Jeanneret sein Amt vor allem in Leysin und Basel ausgeübt. Er ist Theologe, Leser von Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer und auch Dichter. Auf diesem Gebiet gilt seine Vorliebe zunächst den reformierten Dichtern der Renaissance; aber er nimmt auch Bezug auf Dostojewski, Paul Valéry und Saint John Perse.

Ein Amt im Kanton Waadt

  • Neuchâtel, vue sur le château, la vieille ville et le lac (Suisse)
    Neuenburg, Blick auf die Burg, die Altstadt und den See (Schweiz) © Collection particulière

Edmond Jeanneret wurde am 1. August 1914 in einer traditionellen Uhrmacher-Familie des Val de Travers geboren. Er nimmt ein Studium der Geistewissenschaften, dann der Theologie in Lausanne, Basel und Paris auf, während dessen er Pierre Maury begegnet und in seinem Gefolge den Werken von Karl Barth und dem Milieu des Studentenbundes, besonders Roger Brueil (Jèzéquel) und Roland de Pury.

Er liest Dostojewski und Leo Schestow.

Er heiratet Lore Marks, die deutsch-jüdischer Herkunft ist. Während seiner ersten Amtszeit in Lausanne schließt dieser sehr leidenschaftliche Mann Freundschaft mit dem Dichter Emond-Henri Crisinel, sowie mit dem Maler René Aubergonois und dem Komponisten Bernard Reichel. Gelegentliche und gespannte Begegnungen mit Ferdinand Ramuz beeindrucken ihn tief. Während des Krieges übt er sein Amt in einem der Sanatorien von Leysin weiter aus; er teilt mit den Kranken, die aus verschiedenen Ecken Europas gekommen sind, viele Fragen und die Besorgnis über die Enwicklungen des Nationalsozialismus und den weltweiten Konflikt, viele Ansprüche, darunter oft ein gemeinsames Interesse für Barth, seine Theologie, sein Engagement im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 1942 veröffentlicht er einen ersten Gedichtband Comme dans un miroir (Wie in einem Spiegel), in der roten Reihe der Cahiers du Rhône, der Revue, die Albert Béguin in Neuchâtel herausgibt (Verlag Baconnière), um die Männer des französischsprachigen Widerstands zu Wort kommen zu lassen .

Nach dem Krieg übt er sein Pfarramt in Genf und in Basel aus. Währenddessen veröffentlicht er mehrere Gedichtbände in den Cahiers du Rhône. 1947 erscheint Le soupir de la création (Das Seufzen der Schöpfung), 1953 Matin du Monde (Morgen der Welt), 1961 Les rideaux d‘environ (Die Vorhänge des Ungefähr), ein Essai über das Theater von Calderon, 1967 eine Predigtsammlung (La Faiblesse de Dieu – die Schwachheit Gottes) im Pressehaus Taizé. Seine Frau führt das Werk Bonhoeffers in die französischsprachigen Länder ein. Sie übersetzt insbesondere die Ausgabe, die Eberhard Bethge von Résistance und soumission (Widerstand und Ergebung) geschaffen hat.

Im Jahre 1979 zieht er sich nach Georgier zurück, wo er sich trotz seiner ein wenig angeschlagenen Gesundheit weiterhin engagiert, sich begeistert, schreibt und arbeitet. Er stirbt im Jahre 1990.

Der Dichter

  • Jeanneret oeuvre © Collection privée

Die Anziehungskraft, die die Poesie auf Edmond Jeanneret ausübt, und seine Berufung zum Pfarrer und Theologen sind eng miteinander verbunden. Das war zu Anfang eine furchterregende, fast unüberwindbare Herausforderung: entmutigt die Sprache der Psalmen nicht denjenigen, der versuchen sollte, sie nachzuahmen? Nach und nach versteht er, wie er seiner Freundin, der Pfarrerin Suzanne Schell-Chausse anvertraut hat, dass „der poetische Odem souvän frei ist und dass sein Ursprung wie auch sein Ziel geheimnisvoll bleiben“.

Für die, die dein Lob singen,
Ist dein Antlitz ihr Himmel, ihr Gesang dein Schoß;
Geschützt von deinen Händen sind die Vorhänge des Ungefähr
Die Felder deiner Engel
Agrippa d’Aubigné

Die Lektüre der reformierten Dichter der Renaissance, Agrippa d’Aubigné, du Bartas, Jean Ogier de Gombauld, die der Gedichte von Laurent Drelincourt haben ihm auf entscheidende Art geholfen, seine Autonomie zu finden. Danach stellt er die Betrachtung an, dass „der Dichter etwas weitergeben soll, das stärker ist als er, und dass ein Gedicht auf ganz natürliche Weise eine feierliche Handlung, einen Lobgesang darstellt“.

So ist der Gedichtband Matin du Monde (Morgen der Welt, Cahiers du Rhône 1953) zugleich eine poetische Meditation und eine Predigt über die Weihnachtszeit, eine Zeit, die in diesem speziellen Fall von der Geschichte des Zacharias geprägt ist, von Maria und den unschuldig Ermordeten.

Was gibt der Mensch Gott? Einen Hauch Rauch!
Und doch nimmt Gott diesen so schwachen Duft an
Und bläst auf das abgebrannte Stück unserer verflossenen Liebe
Eröffnung der Gedichtes Zacharias

Edmond Jeanneret war sehr besorgt um die Absolutheit des vollendeten Gedichts wie um seine Form und er hat auf diesem Weg eher zeitgenössische Weggefährten gefunden, die kaum älter waren als er, Paul Valéry und Saint John Perse.

Sein Werk hat mehrere Waadter Komponisten inspiriert, Bernard Reichel, Michel Hostettler und Samuel Ducommun.

Edmond Jeanneret ist eng verwandt mit den Architekten Pierre und Charles-Edouard Jeanneret (Le Corbusier).

Auswahl aus seinen Werken

  • Comme dans un miroir (Wie in einem Spiegel), Cahiers du Rhône, La Baconnière, 1942.
  • Le soupir de la création (Das Seufzen der Schöpfung), Cahiers du Rhône, Le Seuil, 1947.
  • Matin du Monde (Morgen der Welt), Cahiers du Rhône, Le Seuil, 1953.
  • Les rideaux d’environ (Die Vorhänge des Ungefähren), Ides et Calendes, 1961.
  • La Faiblesse de Dieu (Die Schwachheit Gottes), Predigtsammlung, Editions de Taizé, 1967.

Bibliographie

  • Bücher
    • JAKUBEC Doris et MILLET Olivier, Foi et vie, numéro spécial sur Edmond Jeanneret, 1999

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