Die Zeit der « mutigen Wüste » (1715-1760)

Als „Wüste“ wird jene Zeit benannt, während der die Ausübung der reformierten Religion durch königliche Edikte verboten war und das religiöse Leben der Protestanten im Untergrund stattfand. Die Bezeichnung « mutige Wüste » weist darauf hin, daß die Protestanten Leib und Leben riskierten, wenn ihre geheimen Versammlungen von der Obrigkeit entdeckt wurden. Viele unter ihnen wurden zu Märtyrern des Glaubens.

Die Kirchen der « Wüste »

  • Die Versammlung wird entdeckt, Druck von Samuel Bastide © Musée du Désert

Die heimliche Wiedereinrichtung der Kirchen begann ab 1715 in den Cevennen, einem Hochland in Südfrankreich, das stark unter dem Aufstand der Kamisarden (1702-1710) gelitten hatte. Die Protestanten verzichteten danach auf einen neuerlichen Aufstand und beschlossen, ihre Gottesdienste fortan heimlich in Höhlen, Steinbrüchen, Wäldern oder auch verlassenen Gehöften abzuhalten : das waren die Versammlungen der „Wüste“. Diese sollten friedlich vonstatten gehen, von Gemeindeältesten geleitet und von Predigern oder Pastoren geistlich betreut werden. Diese neue Form des religiösen Lebens im Untergrund verbreitete sich nach und nach im Süden Frankreichs, dann im Westen und im Norden.

Unter der Regierung Ludwigs XV. (1710/1715-1774) erlebten die Untergrundkirchen abwechselnd Zeiten der Ruhe und der Verfolgung. Ihre Lage hing von der Region sowie von der persönlichen Haltung der Intendanten ab, die die Obrigkeit in der Provinz vertraten. Ab 1743 wurden die Versammlungen immer öfter friedlich am hellichten Tag und vor aller Augen abgehalten. Diese von Antoine Court empfohlene Strategie zielte darauf ab, dem König und dem Hof zu zeigen, daß die Protestanten noch immer existierten, aber keine Unruhestifter seien. Trotz aller Gefahren für Leib und Leben entschieden sich immer mehr junge Männer, Pastoren der „Wüste“ zu werden.

Die zentrale Figur dieser Zeit der « mutigen Wüste » war Antoine Court. Auf der Synode von Montèzes (1715) stellte er ein Programm zur Restauration der Kirchen vor. Von einer kleinen Gruppe von Predigern und Pastoren unterstützt, dehnte er seinen Aktionsradius auf die Nachbarregionen der Cevennen aus. Als ihn die Obrigkeit zur Fahndung ausschrieb, floh er in die Schweiz und gründete in Lausanne ein Predigerseminar zur Ausbildung der künftigen Pastoren der « Wüste ».

Diese Zeit wird « mutig » genannt, da diejenigen Protestanten, die den reformierten Glauben im Untergrund ausübten, jederzeit mit schrecklichen Strafen rechnen mußten : Galeerenstrafe für die Männer, Gefängnisstrafe für die Frauen und Todesstrafe für Prediger und Pastoren.

Bibliographie

  • Bücher
    • BASTIDE Samuel, Les pasteurs du Désert, Musée du Désert, 1901
    • BASTIDE Samuel, L’Exode de Huguenots, Musée du Désert, 1901
    • BASTIDE Samuel, Les Galériens pour la Foi, Musée du Désert, 1901
    • BASTIDE Samuel, La Tour de Crest et ses martyrs, Musée du Désert, 1901
    • BASTIDE Samuel, Les prisonnières de la Tour de Constance, Musée du Désert, 1901
    • GAMONNET Étienne, Pierre Durand, E.et C. Editions, 2002
    • JOUTARD Philippe, Les camisards, Gallimard, collection Folio Histoire, Paris, 1994
    • TOURNIER Gaston, Les galères de France et les galériens protestants (XVIIe et XVIIIe siècles), Presses du Languedoc, 2005

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