Die westliche Christenheit
in 16. Jahrhundert

Eine von Krisen und missbräuchlichen Praktiken geschwächte Kirche

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts befindet sich die römisch-katholische Christenheit seit zwei Jahrhunderten in einer moralischen und politischen Krise, die sich als überwindlich erweist.

Ein verrufener Klerus

  • Innenansicht der St. Pauls Kathedrale in Rome © Collection Château de Coppet

Die Priester sind arm und wenig gebildet, während die hohe Geistlichkeit dank der kirchlichen Pfründen allgemein im Überfluss lebt. Viele Bischöfe wohnen nicht in ihrem Bistum und überlassen ihren Generalvikaren die Amtsgeschäfte. Manche fühlen sich zur Politik berufen und treten in den Dienst der Könige.

Die Klöster sind zahlreich, aber ihr Ansehen leidet unter dem Verfall der Disziplin und der Sitten.

Das Papsttum hat das Große Abendländische Schisma nicht unbeschadet überstanden. Während dieser Kirchenspaltung hatten sich zwischen 1378 und 1417 verschiedene Päpste untereinander bekämpft. Durch die Beschlüsse des Konzils von Konstanz verloren sie ihre Vormachtstellung gegenüber den Konzilien. Außerdem kam es regelmäßig zu Konflikten zwischen den Päpsten und den politischen Herrschern in Westeuropa.

Eine Folge von Katastrophen

Westeuropa wird von einer Folge von Katastrophen heimgesucht :

  • der Hundertjährige Krieg, der 1450 beendet wird,
  • die Schwarze Pest verwüstet Europa von 1346 bis 1353 (25 Millionen Tote) und kehrt auch danach sporadisch wieder, besonders 1478 in Venedig,
  • die Einnahme von Konstantinopel durch die osmanischen Türken setzt 1453 dem Oströmischen Reich, dem aus Westeuropa nicht geholfen wird, ein Ende.

Die Menschen sind von Todesfurcht und Angst um ihr Seelenheil besessen. In den Kirchen werden diese Themen auf Bildern von Totentänzen und dem Jüngsten Gericht dargestellt. Die Gläubigen beten zur Jungfrau und zu den Heiligen, denen auf verschiedenen Gebieten eine besondere Schutzkraft zugesprochen wird. So glaubt man von den Heiligen Rochus und Sebastian, sie schützten die Menschen vor der Pest.

Der Glaube an das Fegefeuer, einen Aufenthaltsort für die Seelen zwischen dem Paradies und der Hölle, veranlasst die Kirche dazu, Ablass zu gewähren, durch den sich der dortige Aufenthalt abkürzen lässt.

Finanzielle Schwierigkeiten

Die seit 1453 in Italien einsetzende Renaissance lässt ein Mäzenatentum zur Pflege der Künste entstehen. Auch Päpste sind unter den Mäzenen : Julius II. lässt Michelangelo für sich arbeiten. Aber das alles ist teuer. Die Kirche benötigt viel Geld, vor allem für den Ausbau der Peterskirche in Rom. So erklärt sich der Verkauf von Ablassbriefen, der später Luthers Abscheu hervorruft.

Die Reformen lassen auf sich warten

Während dieser zwei Jahrhunderte erheben sich – auch unter den Geistlichen – viele Stimmen, die eine Reform der Kirche fordern. Sie werden nicht gehört. Um ihre Autorität aufrecht zu erhalten, zieht es die Kirche vor, ihre Kritiker zu verurteilen, besonders im Falle der Waldenser und der Kirchenkritiker John Wiclif und Jan Hus. Die wenigen Reformbestrebungen scheitern hauptsächlich an der Rivalität zwischen den Päpsten und den Konzilien. Auf dem Konzil Lateran V (1512-1517) setzt sich Papst Leo X gegen den Klerus durch.

Erst das Umsichgreifen der Reformation seit 1517 bewegt die Kirche dazu, sich von innen heraus zu reformieren. Das Konzil von Trient (1545-1563) leitet lange überfällige Reformen ein.

Bibliographie

  • Bücher
    • AUBENAS Roger et RICARD Robert, L’Église et la Renaissance (1449-1517), Paris, 1951
    • CHAUNU Pierre, Le Temps des Réformes : histoire religieuse et système de civilisation : la crise de la chrétienté, l’éclatement (1250-1550), Le Grand livre du mois, Paris, 1997
    • CHRISTIN Olivier, Les Réformes. Luther, Calvin et les protestants, Découvertes Gallimard, Paris, 1995
    • CROUZET Denis, La genèse de la Réforme française 1520-1562, SEDES, Paris, 1996, p. 620
    • DELUMEAU Jean, La peur en Occident, Fayard, Paris, 1978
    • DELUMEAU Jean et WANEGFFELEN Thierry, Naissance et affirmation de la Réforme, PUF, Paris, 1997
    • PIETRI Charles, VAUCHEZ André, VENARD Marc et MAYEUR Jean-Marie (dir.), Histoire du christianisme des origines à nos jours, Desclée, Paris, 1990-2001, Tome 14

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