Die Ursprünge
des Kamisardenaufstandes

Die Widerrufung des Edikts von Nantes im Oktober 1685 zieht die Zerstörung der protestantischen Kirchen, die Ausweisung der Pastoren und das Verbot der reformierten Religionsausübung nach sich. Doch schon bald übernehmen protestantische Laienprediger und danach Propheten die Rolle der abwesenden Pastoren. Angesichts der im Languedoc vorherrschenden unbarmherzigen Unterdrückung der Protestanten rufen die Propheten, die zunächst friedfertig waren, zur Revolte auf.

Die Cevennen nach der Widerrufung des Edikts von Nantes

  • « Wüste »: Versammlung von Protestanten in Lecques bei Nîmes © S.H.P.F.

Unter dem Druck der Dragonaden haben die Protestanten, die in den Cevennen die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, massenhaft ihrem Glauben abgeschworen. Mit der Widerrufung des Edikts von Nantes werden ihre letzten noch nicht geschlossenen Kirchen zerstört und ihre Pastoren des Landes verwiesen. Die meisten der sogenannten Neubekehrten legen es jedoch darauf an, sich so weit wie irgend möglich von dem ihnen auferlegten katholischen Kirchenleben fernzuhalten.

So beginnt eine Zeit des religiösen Lebens im Untergrund. Kleine Gruppen von neubekehrten und noch nicht bekehrten Protestanten versammeln sich insgeheim zum Gottesdienst an abgelegenen Orten. Diese verbotenen Zusammenkünfte werden von Laienpredigern geleitet, die das Wort verkünden und manchmal sogar das Abendmahl austeilen. Die bekanntesten unter diesen Predigern sind François Vivent und Claude Brousson.

Nicolas Lamoignon de Bâville, von 1685 bis 1718 königlicher Oberaufseher (intendant) des Languedoc, lässt die geheimen Versammlungen streng verfolgen. Die Prediger werden hingerichtet und die Teilnehmer am verbotenen Gottesdienst eingesperrt, auf die Galeeren geschickt und manchmal sogar niedergemetzelt.

Ein erster Versuch zur Erhebung der Cevennen

  • Bâville, Öl(farbe) auf Leinwand © Musée Fabre, Montpellier

Auf Drängen von François Vivent gehen die Protestanten bewaffnet zu ihren Versammlungen, um sich bei einem Überfall durch die Dragoner verteidigen zu können. Bâville beschuldigt die Prediger der Rebellion gegen den König und verschärft seine Unterdrückungsmaßnahmen.

François Vivent setzt sich mit den protestantischen Fürsten Europas in Verbindung, die gerade mit Louis XIV. im Krieg liegen (Pfälzischer Krieg, 1688-1697). Er sucht ihre Unterstützung und drängt sie, den französischen König zu einer erneuten Inkraftsetzung des Edikts von Nantes zu veranlassen.

Besondere Hoffnung setzt Vivent auf Wilhelm von Oranien, den niederländischen Statthalter und seit der ‚Glorreichen Revolution‘ (1688) englischen König. Verschiedene Pläne einer Invasion des Unteren Languedoc durch alliierte Landungstruppen werden in Abstimmung mit François Vivent ausgearbeitet, der gleichzeitig einen Aufstand in den Cevennen vorbereiten soll.

Aber keiner dieser Pläne wird in die Tat umgesetzt, und als die Fürsten 1697 in Rijswijk mit Louis XIV. Frieden schließen, werden die französischen Protestanten von den protestantischen Mächten einfach vergessen.

Die Bewegung der Propheten

  • Die kleinen Propheten der Cevennen © Collection M. Chaleil

Die Prediger werden einer nach dem andern hingerichtet. Vivent stirbt 1692 und Claude Brousson 1698. 1699 wird Roman, einer der letzten Prediger, gefasst. Ihm gelingt jedoch später die Flucht in die Schweiz. Die Verkündung des Wortes nimmt nun eine neue Form an : die prophetische Eingebung. Die Bewegung der Propheten entsteht im Dauphiné und im Vivarais und greift 1700 auf die Cevennen über.

‚Bereut eure Sünden ! Geht nicht mehr zur Messe ! Betet nicht zu den Götzenbildern der Papisten !“ rufen die Propheten den Gläubigen zu und kündigen den baldigen Fall des apokalyptischen Ungeheuers an, womit sie die Römische Kirche meinen. Unter Tränen und Zuckungen weissagen Frauen, Kinder, Handwerker und Bauern.

Die städtische Oberschicht, die diesem Ausbruch anarchischer Heilsgewissheit misstrauisch gegenübersteht, hält sich von den Propheten fern, die auch von den im Refuge lebenden hugenottischen Pastoren kritisiert werden. Die einzige Ausnahme ist hier der nach Rotterdam geflohene Pierre Jurieu.

Bâville läßt unterdessen weiter verhaften.

Bibliographie

  • Bücher
    • JOUTARD Philippe, Les camisards, Gallimard, collection Folio Histoire, Paris, 1994
    • MAZEL Abraham, MARION Élie et BONBONNOUX Jacques, Mémoires sur la Guerre des Camisards, Presses du Languedoc, Montpellier, 2001
    • MISSON Maximilien, Le théâtre sacré des Cévennes, Presses du Languedoc, Montpellier, 1996
    • VIDAL Daniel, Le malheur et son prophète, Payot, Paris, 1983

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