Die Synoden der „Wüste“

Während des gesamten Zeitraums, in dem die Ausübung des reformierten Glaubens in Frankreich verboten war (1685-1789), trafen sich sie die Protestanten – vor allem im Süden des Landes – heimlich zu Gottesdiensten (auch „Versammlungen der Wüste“ genannt). Im Untergrund wurden auch regelmäßig Synoden abgehalten, an denen Pastoren und Laien teilnahmen. Diese Zusammenkünfte fanden zunächst im überschaubaren regionalen Rahmen statt („Provinzialsynoden“). Ab 1726 wurden die Synoden der „Wüste“ von Gemeindevertretern mehrerer Provinzen besucht, aber keine von ihnen brachte Protestanten aus ganz Frankreich zusammen ; die Bezeichnung „Nationalsynoden“ ist daher nicht ganz zutreffend. Sie stellten die Kirchenordnung der reformierten Gemeinden wieder her und unterdrückten den Prophetismus.

Die Synode von Montèzes (1715)

  • Erste Synode der Wüste in Montèzezs, Druck von Samuel Bastide © Musée du Désert

Am 24. August 1715 setzten sich vier Laien und fünf Prediger zur Beratung in Montèzes (Departement Gard) zusammen. Später gab man diesem Treffen den Namen Synode von Montèzes, denn es war für die Zukunft der reformierten Kirchen wegweisend. Auf ihr beschlossen die neun Männer, die Versammlungen der „Wüste“ zu regeln und die Propheten zum Schweigen zu bringen. Diese Zusammenkunft wurde von Antoine Court, einem jungen Prediger, geleitet („moderiert“).

Die wichtigste Maßnahme war die Wiedereinsetzung der Ältesten gemäß der überkommenen reformierten Kirchenordnung. Die Ältesten sollten wiederum von der Gemeinde gewählt werden. Zu ihren künftigen Aufgaben gehörte es, die geheimen Gottesdienste einzuberufen (wobei sie äußerste Vorsicht zu üben hatten), für die Wanderprediger sichere Unterkünfte und ortskundige Führer zu besorgen und Spenden für die Armen einzusammeln.

An dieser ersten Synode der „Wüste“ nahmen unter anderen der Prediger Jean Huc, ein ehemaliger Kamisarde der Truppe von Rolland, sowie Jean Vesson, ein ehemaliger Prophet, und Pierre Durand, der Bruder von Marie Durand teil.

Nach diesem Treffen von Montèzes fanden mehrere Provinzialsynoden statt (1717, 1718, 1720, 1721).

Die erste Nationalsynode (1726)

Im Mai 1726 wurde im Vivarais eine Synode abgehalten, die als erste Nationalsynode der „Wüste“ gilt, da an ihr Gemeindevertreter aus drei verschiedenen Provinzen teilnahmen. Wie alle Synoden der „Wüste“ trat auch sie im Untergrund zusammen. An ihr nahmen drei amtierende Pastoren, acht Pastorenanwärter und sechsunddreißig Älteste teil, darunter :

  • Jacques Roger (1665-1745), Pastor im Dauphiné ; er war 1715 in Württemberg ordiniert worden und heimlich nach Frankreich zurückgekehrt ;
  • Pierre Corteiz (1683-1767), ein ehemaliger Kamisarde ; er war 1717 in Zürich ordiniert worden ;
  • Antoine Court (1696-1760), der am 21. November 1718 von Pierre Corteiz auf einer Provinzialsynode in Frankreich ordiniert worden war.

Jacques Roger übernahm die Verhandlungsführung. Diese Synode untersagte den Prophetismus und verbot den Frauen zu predigen. Sie stellte die traditionelle Ordnung der reformierten Kirchen wieder her, mahnte zur Vorsicht bei der Einberufung von Versammlungen und verdammte jede offene Rebellion gegen den König.

Die zweite Nationalsynode (1727)

Die zweite Nationalsynode wurde im Oktober 1727 im Dauphiné von denselben drei Pastoren sowie fünf Pastorenanwärtern und fünfunddreißig Ältesten abgehalten. Sie verbot den Gläubigen, bewaffnet zu den Versammlungen zu erscheinen und setzte einen außerordentlichen Rat ein, der dringende, zwischen zwei Synoden auftauchende Probleme klären sollte. Außerdem enannte sie einen neuen Generalbevollmächtigten [Député général], der aber nicht mehr – wie zur Zeit des Edikts von Nantes – die Verbindung zur französischen Regierung, sondern zu den Fürsten und Regierungen der protestantischen Länder aufrechterhalten sollte. Diese sollten dazu veranlaßt werden, sich beim französischen Hof für die Protestanten einzusetzen, falls die Religionsverfolgunge wieder unerträglich werden sollten, und Hilfsgelder an die Protestanten zu überweisen, um die Kirchen der „Wüste“ und das Predigerseminar in Lausanne zu unterstützen, das die Ausbildung der zukünftigen Pastoren der „Wüste“ sicherstellte.

Zum Generalbevollmächtigten wurde Benjamin Duplan bestimmt. Er bereiste in der Folgezeit ganz Europa und bat um Hilfe für die „Kirchen unter dem Kreuz“ [Églises sous la croix], wie sich die Kirchen der „Wüste“ nun nannten. Duplan wurde 1744 von Antoine Court abgelöst und ließ sich anschließend in London nieder.

Die späteren Synoden

Im September 1730 fand im Vivarais die dritte Nationalsynode statt. Ihr Leiter war Pierre Durand. Diese Synode regelte die Amtseinführung der Pastoren der „Wüste“ : nach ihrer Ordination im Ausland sollten die Provinzialsynoden sie künftig einer bestimmten Anzahl von Gemeinden in einem fest umrissenen Gebiet zuweisen.

Die vierte Nationalsynode fand im August 1744 in Lédignan (Departement Gard) statt. Zum ersten Mal nahmen an ihr auch Gemeindevertreter aus der Saintonge, dem Poitou und sogar der Normandie teil. Antoine Court, der inzwischen nach Lausanne gezogen war, kam eigens für diese Synode nach Frankreich zurück. Sie wurde von dem Pastor Michel Viala geleitet, der die Kirchen der „Wüste“ in der Grafschaft Foix, im Umland von Montauban und im Poitou betreute.

Die Synode bekräftigte erneut die Treue der französischen Protestanten zum Königshaus. Es wurde sogar erzählt, daß die Versammlung bei der Nachricht, Ludwig XV. sei in Metz schwer erkrankt, auf die Knie gefallen sei, um für seine Genesung zu beten.

Im September 1748 trat im Vivarais die fünfte Nationalsynode zusammen. Ihr Leiter war Pierre Peyrot, ein ehemaliger Zögling des Predigerseminars von Lausanne und Pastor im Vivarais. Unter Androhung des Ausschlusses vom Abendmahl verbot die Synode den reformierten Gläubigen, sich in der katholischen Kirche trauen und ihre Kinder von katholischen Priestern taufen zu lassen. Die Pastoren der „Wüste“ wurden dazu angehalten, Tauf- und Heiratsregister zu führen.

In den folgenden Jahren betrieb die katholische Kirche die Nachtaufe der bereits in der „Wüste“ von reformierten Pastoren getauften Kinder ; um dieser Maßnahme Nachdruck zu verleihen, wurden über die Protestanten erneut Dragonnaden verhängt. Aus diesem Grunde konnte die sechste Nationalsynode erst im Mai 1756 in den Hohen Cevennen stattfinden. Das Sitzungsprotokoll verzeichnet unter den Teilnehmern achtundvierzig amtierende Pastoren, achtzehn Pastorenanwärter und vier Studenten des Predigerseminars von Lausanne. Diese Synode empfahl den Konsistorien, das Jahresgehalt der Pastoren auf 400 Pfund zu erhöhen.

Die letzten Synoden der "Wüste"

  • Siegel der letzten Synode der Wüste © Musée du Désert

Im September 1758 fand in den Unteren Cevennen die siebte Nationalsynode unter der Leitung von Paul Rabaut (1718-1794) statt. An ihr nahmen vierzehn Pastoren und zwölf Älteste nahm, die eine Bittschrift an den König verfaßten.

Schließlich kam es im Juni 1763 im Unteren Languedoc zur Einberufung der achten – und letzten – Nationalsynode der „Wüste“. Ihr Leiter war wiederum Paul Rabaut. Diese Synode setzte sich für einen solidarischen Zusammenschluß aller reformierten Kirchengemeinden Frankreichs ein. In jene Provinzen, in denen die Gläubigen keine regelmäßigen Gottesdienste abhalten konnten, wurden Wanderpastoren entsandt.

Bibliographie

  • Bücher
    • FELICE Paul (de), Histoire des synodes nationaux, Ed. Grassart, Paris, 1864

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