Die Rolle der protestantischen Frauen im 20. Jahrhundert

Bereits im 19. Jahrhundert hatten sich die protestantischen Frauen bei der Errichtung sozialer Werke sehr aktiv gezeigt. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert engagieren sie sich dann – darin dem Beispiel der angelsächsischen Bewegungen folgend – in Vereinen oder Gruppierungen, die nach und nach in den sie direkt betreffenden Debatten Stellung beziehen.

Die Christliche Vereinigungen junger Mädchen (UCJF)

  • Suzette Duflo (1910-1983) © Fédération Protestante de France

Sie werden 1911 gegründet, und ihr Patronatskomitee besteht im Wesentlichen aus Personen aus dem Bürgertum, die den oft aus der Provinz kommenden, Arbeit suchenden „isolierten jungen Mädchen eine materielle und moralische Hilfe“(“ une aide matérielle et morale à des jeunes filles isolées“) anbieten wollen.

Die Französischer Pfadfinderinnenbund (FFE)

Der 1912 gegründete Pfadfinderinnenbund spielt eine Vorreiterrolle in der französischen Pfadfinderbewegung und erlebt nach dem Ersten und dann vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg eine spektakuläre Entwicklung. Während der Kriegsjahre mussten die Frauen oft zuhause und in den von den Männern verlassenen Unternehmen gewichtige Verantwortung übernehmen. Es sind für sie Lehrjahre der Geschwisterlichkeit, der Solidarität und begründeter Autorität, alles fundamentale Werte der Pfadfinderbewegung.

Die Französischer Bund christlicher Studentenvereine

Weit besser bekannt als „Fédé“, ist sie eine Organisation, in der junge Männer und Frauen einander begegnen können, wobei letztere jetzt, da sie Zugang zu den höchsten akademischen Abschlüssen haben, über eine größere Ausdrucksfreiheit verfügen. In der Fédé spielt die Theologie – die durch den Beitrag der Positionen Karl Barths (1886-1968) eine bedeutende Erneuerung erfahren hat – eine große Rolle ; die Bewegung setzt sich jedoch auch mit den politischen Problemen der Zeit auseinander : Wehrdienstverweigerung, Entkolonisierung, die Kenntnis der kommunistischen Welt…

Die Bewegung "Junge Frauen"

Sie wird 1946 gegründet, als Antwort auf die spezifischen Fragen, die sich die jungen und weniger jungen Frauen stellen :

  • Berufstätigkeit, die mit dem Familienleben vereinbart werden muss ;
  • Probleme in der Paarbeziehung und Geburtenkontrolle ;
  • Verantwortung in der Kirche ;
  • Blick auf die politischen Probleme.

Dies sind die Themen, die von der Bewegung, den jährlichen Kongressen, dem 6 Mal jährlich erscheinenden „Bulletin“ behandelt werden und die entsprechenden Stellungnahmen stellen eine Bereicherung und ein stimulierendes Element für den Protestantismus insgesamt dar.

Die Zulassung der Frauen zum Pfarramt

Sie ist Teil der gegen Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden allgemeinen Emanzipationsbewegung. Jedoch erst in den 1960er Jahren werden in der lutherischen und der reformierten Kirche die Frauen endgültig auf gleicher Stufe mit den Männern als Pfarrerinnen anerkannt.

Bibliographie

  • Bücher
    • CRETE Liliane, Le protestantisme et les femmes, Labor et Fides, 1999

Dazugehörige Vermerke

Dazugehörige Rundgänge

Zufällige Vermerke