Die Reformierte Kirche Frankreichs und die Regierungspolitik (1555-1562)

Calvin dem König die Grundsätze der Reformierten Kirche darlegen und lässt Heinrich II.

Der König erhält Kenntnis vom reformierten Glauben

  • Antoine Chandieu (1534-1591) aus Burgund, der zum Protestantismus konvertierte © Genève
  • Heinrich II., König von Frankreich © S.H.P.F.
  • Der Gehorsam, der dem König gebührt © Collection privée

Um Missverständnisse auszuschließen, möchte Calvin dem König die Grundsätze der Reformierten Kirche darlegen und lässt Heinrich II. durch Abgesandte der Pariser Gemeinde ein reformiertes Glaubensbekenntnis überreichen (Dieses Glaubensbekenntnis wurde vermutlich 1557 von Antoine de Chandieu verfasst ; einzelne Bestandteile wurden 1559 in das Bekenntnis der Reformierten Kirche Frankreichs übernommen ; sie stehen auch in dem 1571 beschlossenen „Glaubensbekenntnis von La Rochelle“, der Confessio Gallicana). Die Pariser Gemeinde legt dem Herrscher dar, dass die religiösen und politischen Prinzipien der Reformation in keinem einzigen Punkt die Autorität des Königs untergraben. Sie nehme gegenüber der Regierungsgewalt keine feindliche Haltung ein.

Die Protestanten bitten um den Schiedsspruch des Königs. Sie hoffen, dieser werde zu dem Schluss kommen, die Reformation befände sich „im Einklang mit der katholischen Kirche“. Sie betonen, ihr Glaubensbekenntnis sei keinem sektiererischen Geist entsprungen, wie es dem König fälschlich hinterbracht worden sei :

Majestät, da man Euch berichtet hat und uns zur Last legt, wir würden eine Sekte außerhalb der christlichen Religion bilden, liegt uns nichts sehnlicher am Herzen, als Euch unseren Glauben zu unterbreiten, damit Ihr zu einem unvoreingenommenen Urteil darüber kommt, ob wir dieser Sache zu Recht oder zu Unrecht beschuldigt werden.

Es geht darum, den König davon zu überzeugen, dass der reformierte Glaube die Staatsgewalt nicht infrage stellt. Er wird vielmehr von treuen Untertanen des Königs bekannt. Der Brief der Pariser Gemeinde schließt mit den Worten :

Majestät, hier ist also unser Glaubensbekenntnis in seiner ganzen ungeschminkten und unverhüllten Wahrheit. Wir haben es in allen Punkten dargelegt, damit die Vorwürfe, mit denen man uns überschüttet, allesamt nachprüfbar werden, und Ihr werdet das tun, wenn es Euch gefällt, das Ganze in Augenschein zu nehmen. Wenn wir auch mit manchem Aberglauben, der mit dem, was wir eingangs erklärt haben, nicht zu vereinbaren ist, gebrochen haben, so hoffen wir doch, dass unsere Begründung von Euch für nachvollziehbar gehalten werden wird. Wir bitten Euch höchst demütig, Majestät, als guter Vater und menschlicher Beschützer seiner gehorsamen Untertanen Erbarmen mit jenen zu haben, die einfach nur Gott dienen wollen und ansonsten treu und aufrichtig ihren Pflichten Euch gegenüber nachkommen.

Calvin fordert eine Kirchenreform

  • Bibel von Olivétan © S.H.P.F.
  • Das Konzil von Trient © Holzapfel/ Documentation française
  • Protokolle des Konzils von Trient © S.H.P.F.

In seinem Brief an die Pariser Gemeinde vom Juni 1559 bezeichnet Calvin König Heinrich II. als denjenigen, den wir kniefällig bitten und von dem er sich eine wegweisende Tat erhofft, die die Lage entschärft und die Einheit wieder herstellt. Die Reform der Kirche, die Calvin vorschlägt, fußt ausschließlich auf der Bibel.

In dem Heinrich II. vorgelegten Glaubensbekenntnis heißt es : … wir glauben an die Notwendigkeit, die Einheit der Kirche zu bewahren und zu schützen. Diese Kirche ist die „wahre Kirche“ : es muss genau gesagt werden, welches die Wahre Kirche ist … wir sagen also, diese ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die sich versammeln, um dem Worte Gottes zu folgen.

Am besten wäre es also, in der bestehenden Kirche zu verbleiben. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Umformung der Kirche unter ausschließlicher Berufung auf die Bibel sowie die Vorstellung der „wahren Kirche“ als „Gemeinschaft der Gläubigen im Worte des Evangeliums“ mit der Tradition der „römischen“ Kirche nicht „in Einklang“ zu bringen ist. Für Calvin kann die „Einheit der Kirche“ keinesfalls unter der Hoheit des Papsttums wiederhergestellt werden. Das Konzil von Trient hat alle Hoffnungen auf eine innerkirchliche Reform zerstört.

In einem Brief an die Pariser Gemeinde vom 26. Februar 1561 findet Calvin für das Konzil von Trient herbe Worte :

Das Konzil ist weder katholisch [im Sinne von „die gesamte Christenheit umfassend“ ; Anm. d. Übs.] noch rechtmäßig. Es bestätigt nur, was schon besteht und bekräftigt die alten Irrtümer und Lästerungen, die allesamt dem Worte Gottes widersprechen.

Calvin weist jeden Kompromiss zurück

  • Den Protestanten drohende Bestrafungen © S.H.P.F.
  • Vor Heinrich II. und seinem Hofstaat gemarterte Protestanten © S.H.P.F.

Calvin ist sich bewusst, dass diese ganze arme Kirche Wut und Grausamkeit auf sich zieht ; die Bedrohung ist schrecklich, und die gegen sie ins Werk gesetzten Machenschaften können durchaus dazu führen, dass alles verloren geht. Dennoch muss für die „wahre Kirche“ weiterhin gekämpft werden. Es darf nicht nachgelassen werden. Es muss Widerstand geleistet werden.

An die Gemeinde von Paris, 1559 : Glaubt nur getrost, dass wir alles Menschenmögliche getan haben, um zu sehen, ob wir das Wüten der Feinde nicht vielleicht ganz oder teilweise besänftigen könnten, und auch noch heutigen Tages würden wir nichts unversucht lassen, solange es Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang gibt.

Calvin ermutigt die Gemeinden, standhaft zu bleiben und nicht zu weichen

Den Gläubigen im Poitou schreibt Calvin : Mir ist klar, dass Ihr keine einzige Versammlung ohne Furcht und Zweifel abhalten könnt. Ich weiß auch, dass Ihr von Feinden umzingelt seid. Aber die Furcht vor Verfolgung darf uns nicht davon abhalten, auf der Weide des Herrn die Nahrung des Lebens zu suchen und uns der Führung unseres Hirten anzuvertrauen. Indem wir uns Ihm anempfehlen, gewinnen wir Mut, denn Er wird uns zeigen, dass er Seine armen Schafe sorgsam hütet und dass es Seines Amt ist, diese vor dem Rachen der Wölfe zu bewahren.

Für Calvin muss der Kampf für eine Reform der Kirche jedoch gewaltlos vonstatten gehen. Das ist seine ständige Ermahnung an die Gläubigen Frankreichs.

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