Die protestantischen Kirchen vom 16. Jahrhundert
bis zur Widerrufung

Im Frankreich des 16. Jahrhunderts wird der reformierte Gottesdienst in ehemaligen katholischen Kirchen und in neuen Gebäuden abgehalten.

Die ersten Gottesdienste

Die ersten Reformierten versammeln sich zunächst in Privathäusern.

Dann, als sie zahlenmäßig bedeutender werden, beschlagnahmen sie öffentliche Räume, Abteien, katholische Kirchen und passen diese dem protestantischen Gottesdienst an.

In diesen wiederverwendeten katholischen Stätten lassen die Protestanten nicht nur die Statuen und Heiligenbilder entfernen, sondern sie verändern auch den architektonischen Raum, indem sie die Altäre abschaffen und den Abendmahlstisch zum Zentrum des Gebäudes machen.

Man kann so anführen :

  • die Kirche Saint-Jacques in Montauban,
  • die Augustiner- und Observantenklöster, die Kirchen Sainte-Eugénie, Saint-Étienne de Capduel in Nîmes,
  • die Kirche Saint-Fiary und das Jakobinerkloster in Agen,
  • die Kirche Saint-Barthélemy, Sainte-Marguerite, der Speisesaal des Augustinerklosters und das ehemalige Jeu de Paum ein La Rochelle,
  • die Kapelle Sainte-Colombe in Gap,
  • die Kirche Notre-Dame in Montpellier,
  • und mehrere Kirchen in Caen und Lyon.

Die neuen Bauweisen

  • Lyon (69), das Innere des Temple du Paradis (1564) © Fonds B.P.U. Genève

Dann beginnen die Reformierten schließlich, neue Bauwerke zu errichten, die von den Gemeinden finanziert werden und seit dem Edikt von Nantes (1598) außerhalb der Städte angesiedelt sind und, im Fall von Paris, in einem Umkreis von fünf Meilen um die Hauptstadt herum.

Unter diesen Neubauten muss man unterscheiden :

  • die protestantischen Kirchen der Gemeinden (Lyon, Rouen, Charenton),
  • die herrschaftlichen Kapellen (Chamerolles),
  • die protestantischen Kirchen, die aus der Wiederverwendung oder dem Umbau schon bestehender Bauwerke stammen (Poët-Laval).

Die errichteten Gebäude müssen riesig sein, um möglichlichst viele Gläubige unterbringen zu können. Sie sind Versammlungsorte, die man “temples“ nennt, um ihren religiösen Gebrauch zu definieren und sie gleichzeitig von den katholischen Kultstättenn zu unterscheiden.

Der Grundriss ist der einer Basilika (Charenton, Montpellier, Nîmes…) oder eines Zentralbaus (Lyon, Caen, Rouen) – wie in der Antike. Als Reaktion auf die Dunkelheit der Kathedralen flutet das Licht der « temples » durch die weiten Öffnungen herein.

Die Baumaterialien stammen aus der jeweiligen Region : Weichstein der Ile de France in Charenton, Ziegelsteine in Montauban, Silex und Holz in Dieppe und in Rouen, Schiefer und Quarz in Le Collet de Dèze. Gleichfalls für die Dächer, Schiefer in Dieppe, Dachziegel in Lassalle.

Die Innenarchitektur gibt dem Hören den Vorrang vor dem Sehen. Das Zentrum des Gebäudes wird vom Abendmahlstisch und der Kanzel, von der der Prediger das Wort Gottes hören lässt, eingenommen.

Ob das protestantische Kirchenschiff nun vom Typ der Basilika oder des Zentralbaus ist, es ist rundherum von Galerien umgeben, was die Aufnahmekapazität erhöht. Die Gläubigen sitzen auf Bänken um die Kanzel und den Abendmahlstisch herum.

Die dekorativen Elemente

  • Collet de Dèze (Lozère) © Reymond

Sie sind sehr reduziert, da die Kultstätte frei von jeglichem Götzenbild sein soll, aber man findet :

  • zivile Ornamente, königliche Wappen (Lyon oder La Rochelle), Wappen des Gouverneurs Châtillon (Montpellier),
  • oder religiöse : die Gesetzestafeln (Chamerolles) oder Bibelverse (Charenton, Nîmes, Montauban).

Die Decke unterscheidet sich von den traditionellen Gewölben. Aus Zeit- und Geldgründen werden das Dachstuhlprinzip (Montpellier, die protestantischen Kirchen der Cevennen) oder das Täfelungssystem (La Rochelle, Charenton) bevorzugt.

Die erhaltenen protestantischen Kirchen

  • Protestantische Kirche von Vialas (Lozère) © René Laurent

Zwei große Zerstörungswellen in den Jahren 1660 und 1680 und die Widerrufung ab 1685 sind stärker als die protestantischen Kirchen.

Nur wenige protestantische Kirchen sind den Zerstörungen nach der Widerrufung von 1685 entgangen, die Kirchen von Collet-de-Dèze (Lozère) und von Poët-Laval (Drôme). Darüberhinaus ist die protestantische Kirche von Vialas (Lozère) auch nicht zerstört worden, aber sie hat über 50 Jahre lang ihre Nutzung als protestantische Kultstätte verloren, ebenso die protestantische Kirche von Sainte-Croix-Vallée-Française (Lozère).

Trotz alledem sind einige protestantische Kirchen für ihre Bebilderung bekannt, da sie im 16. und 17. Jahrhundert einen wichtigen Platz in der reformierten Welt innehatten : Lyon, Petit-Quevilly (Rouen), Charenton, La Rochelle.

Das Edikt von Nantes (1598) erläutert : „Die protestantischen Kirchen oder Gottesdienststätten, die die Anhänger der sogenannten reformierten Religion die Erlaubnis haben zu errichten, müssen ohne Erhebung sein, allein fähig, die Gläubigen zu versammeln. Sie dürfen nicht in Form von Kirchen gebaut sein, keine Türme oder große Glockentürme aufweisen“.

Bibliographie

  • Bücher
    • LAURENT René, Promenade à travers les temples de France, Les Presses du Languedoc, Millau, 1996, p. 520
    • REYMOND Bernard, L’architecture religieuse des protestants, Labor et Fides, Genève, 1996
  • Artikels
    • GUICHARNAUD Hélène, „Approche de l’architecture des Temples protestants construits en France avant la Révocation“, Études théologiques et Religieuses, Institut Protestant de Théologie, Montpellier, 2000, Tome 75

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