Die protestantische Kirche der „Etoile“

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts hat sich Paris nach Westen ausgedehnt, besonders in den Vierteln Passy, Auteuil, Batignolles und der Porte de Maillot. Mehrere protestantische Kirchen sind dort gebaut worden, die vom Wiedererstehen des Protestantismus in der Hauptstadt zeugen.

Darunter ist eine der architektonisch interessantesten die Kirche der Etoile, des Sterns von Paris, die 1874 auf Initiative von Pfarrer Eugène Bersier erbaut wurde, einem großen Prediger und Stifter einer neuen Liturgie.

Die protestantische Kirche der „Etoile“

  • Temple de l’Etoile
    Die protestantische Kirche der „Etoile“ © Fondation Bersier (Thibault Godin 2016)
  • Temple de l’Etoile - La chaire et la table de communion
    Die protestantische Kirche der „Etoile“ - Die Kantzel und der Kommunionstsch © Fondation Bersier (Thibault Godin 2016)

Die Avenue der Großen Armee ist 1866 eine Art großes Brachland, bepflanzt mit schönen Bäumen, wo Grundstücke zu verkaufen sind. Eugène Bersier (geboren 1831 – gestorben 1889), Pfarrer der Freien Kapelle der Rue Taitbout, will seine Familie auf dem Land ansiedeln, zieht in den Boulevard Pereire in das einzige dort gebaute Haus und steht abends Versammlungen in Neuilly vor. 1869 mietet er einen größeren Saal und richtet ihn ein. Die Gemeinschaft, die sich dort versammelt, wird 1873 unabhängig von der Kapelle Taitbout.

Schon Ende 1869 hatte das Direktionskomitee der von Eugène Bersier gegründeten Gemeinde den Bau einer Kirche beschlossen und zwar auf einem benachbarten Grundstück des Saales, den sie benutzt, aber der Krieg mit Preußen bricht aus und erst 1873 bringt eine aus Gemeindegliedern bestehende Aktiengesellschaft das nötige Geld zusammen, um das Grundstück zu kaufen und die Kirche zu bauen. Der schwedische Architekt Hansen wird mit dem Bau beauftragt; er entwirft ein Projekt in neugotischem, anglikanischem Stil, der zu jener Zeit ganz modern ist. Die Kirche wird 1874 eingeweiht. Im Jahr darauf, 1875, bekommt die Kirche eine Orgel, gebaut von Cavaillé-Coll, dem großen Orgelbauer, von dem auch die Instrumente von Notre Dame und Saint-Sulpice stammen.

Der Haupteingang wird von einem dreieckigen Giebel gekrönt, dann von einer Rosette mit einem Aufsatz, auf dem ein Kreuz steht. Glockentürmchen und Laternen heitern das Ganze auf.

Die alten Türen sind durch Glastüren ersetzt worden.

Das Innere, vor kurzem renoviert, ist klassisch: ein weites Kirchenschiff und zwei Querschiffe; fünf Bleiglasfenster auf jeder Seite des Schiffes; die Decke des Chores ist blau und mit Sternen übersät. Im Chor steht eine imposante Kanzel über einer Gedenktafel an Pfarrer Bersier.

Die Kirche der „Etoile“ schließt sich 1877 der Reformierten Kirche von Paris an. Aber über dem Türsturz des Eingangstores der Kirche steht immer noch die Inschrift: EVANGELIKALE KIRCHE ETOILE. Die Inschrift überrascht für eine reformierte Kirche – sie geht auf den Bau der Kirche zurück, als „Etoile“ eine Freikirche war.

Heute ist die Vereinigte Protestantische Kirche „Etoile“ eine lebendige reformierte Gemeinde, die den Rekord an der Zahl der Taufen hält.

Dazugehörige Rundgänge

Zufällige Vermerke