Die Protestanten
im öffentlichen Leben

Eines der Merkmale des französischen Protestantismus im 19. Jahrhundert ist die Dynamik, die von der protestantischen Gemeinschaft ausgeht. Dabei sind zwei Momente von herausragender Bedeutung : die Julimonarchie, mit Guizot, und die Anfänge der Dritten Republik – beides Zeiten tiefgreifender Reformen auf dem Gebiet des Unterrichtswesens. Aufgrund ihres theologischen und kulturellen Hintergrunds spielen die Protestanten eine wesentliche Rolle bei der Modernisierung der französischen Gesellschaft.

Ein ununterbrochenes Engagement in der Welt der Gegenwart

  • François Guizot (1787-1874) © Collection privée

Im 19. Jahrhundert entfaltet sich das intellektuelle Leben in Frankreich unter dem Einfluss von zwei Faktoren :

  • der Französischen Revolution, die vielen als das Gründungsereignis für die gesamte Nation gilt und in deren Gefolge die Freiheit der Person für die Mehrheit der Franzosen zu einem fundamentalen Wert wird,
  • der Ausbreitung des Wissenschaftsdenkens, die dazu führt, dass die Wissenschaft als ein allgemein anwendbares Instrument angesehen wird.

Über den gesamten Zeitraum verbinden sich in den protestantischen Kreisen diese beiden Elemente :

  • Die Protestanten zählen sich zu den geistigen Wegbereitern der Französischen Revolution, weil die Reformation die Christen vom Joch der Hierarchie befreit hat. In der Lehre vom allgemeinen Priestertum sehen sie einen Vorläufer des politischen Liberalismus und der Demokratie. Sie halten sich daher mehrheitlich für die wahren geistigen Erben der Revolution und sind bemüht, den übrigen Franzosen zu zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, Religion und Freiheit, Bekenntnis zum Christentum und persönliche Freiheit miteinander zur vereinbaren.
  • Die Protestanten verstehen sich als modern und halten ihre Form der Religion für die einzig zeitgemäße. Viele übertragen die wissenschaftlichen Methoden ohne weiteres auf sämtliche Gebiete des Wissens, darunter auch die Theologie.

Eine der markantesten Persönlichkeiten ist Guizot, dessen langes Leben das unter dem Titel „Die Protestanten und die Macht“ behandelte Verhältnis der Protestanten zur politischen Macht illustriert. Zu den zahlreichen weiteren Beispielen, die den Einfluss der Protestanten auf die französische Gesellschaft aufzeigen, gehören auch die Themen „Die Protestanten und die Schaffung des republikanischen Unterrichtswesens“ und „Die Protestanten und die Dreyfus-Affäre“ sowie, als mittelbare Folge dieses Einflusses, der Antiprotestantismus. Während all dieser Zeit spiegelt die protestantische Presse dank ihrer Vielfalt die intellektuellen Debatten wieder, die mit großer Lebhaftigkeit geführt werden.

Bibliographie

  • Bücher
    • BAUBÉROT Jean, Le retour des huguenots ; la vitalité protestante, XIXème-XXème siècle, Éditions du Cerf - Labor et Fides, Paris-Genève, 1985
    • CABANEL Patrick, Les Protestants et la République, Éditions Complexes, Bruxelles, 2000, p. 270
    • CARBONNIER-BURKARD Marianne et CABANEL Patrick, Une histoire des protestants en France, Desclée de Brouwer, Paris, 1998
    • ENCREVÉ André, Les protestants en France de 1800 à nos jours. Histoire d’une réintégration, Stock, Paris, 1985
    • ENCREVÉ André, Protestants français au milieu du XIXe siècle : les Réformés de 1848 à 1870, Labor et Fides, Genève, 1986
    • LÉONARD Émile Guilaume, Histoire générale du protestantisme, PUF, Paris, 1964, Volume 3
    • MAYEUR Jean-Marie et HILAIRE Yves-Marie, Dictionnaire du monde religieux dans la France contemporaine, Beauchesne, Paris, 1985-, Tome 9
    • ROBERT Daniel, Les Églises réformées en France (1800-1830), PUF, Paris, 1961

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