Die Neukonvertierten

Nach dem Widerruf des Edikts von Nantes haben fast alle Protestanten, die in Frankreich blieben, abgeschworen : das sind die ‚Neukonvertierten‘. Ihre Teilnahme an katholischen Zeremonien wird überwacht und ihre Abwesenheit wird bestraft. Aber viele versuchen mit unterschiedlichen Mitteln, sich den katholischen Verpflichtungen zu entziehen.

Eine fast allgemeine Bekehrung

  • Verbot, das Königreich zu verlassen (1682) © Musée du Désert

Wenn die Dragoner ankommen oder sich auch nur ankündigen, schwören die Reformierten in Massen ihrem Glauben ab. Sie bekehren sich zur katholischen, apostolischen und römischen Religion. Daher die Bezeichnung ‚Neukonvertierte‘ (N.C.).

Einige weigern sich abzuschwören. Trotz des letzten Artikels des Edikts von Fontainebleau, der festlegt, dass die Anhänger der vorgeblich reformierten Religion (R.P.R.) weiterhin « ihr Geschäft führen und sich ihres Besitzes erfreuen können, ohne belästigt zu werden », vorausgesetzt, sie üben ihre Religion nicht öffentlich aus, werden sie meistens verfolgt. Ihre Kinder müssen sowieso in der katholischen Religion getauft und erzogen werden.

Die katholischen Verpflichtungen

Mir dem Widerruf verlieren die ‚Neukonvertierten‘ (N.C.) ihre gesellschaftliche und kulturelle Identität und müssen sich den katholischen Verpflichtungen unterziehen :

  • Zur Messe gehen,
  • Ostern die Kommunion empfangen,
  • Ihre Kinder katholisch taufen lassen,
  • Ihre Kinder zum katholischen Katechismusunterricht schicken,
  • Die letzte Ölung erhalten.

Die Aufnahme der Neukonvertierten bringt in den protestantischen Gebieten oder Städten Probleme mit sich. Die katholischen Kirchen müssen oft vergrößert oder neu gebaut werden, wie zum Beispiel in Montauban, um die neue Bevölkerungsgruppe unterzubringen.

Auch müssen die Neukonvertierten Katechismusunterricht erhalten. Der König ordnet eine kostenlose Verteilung frommer Werke, katholischer Katechismen und sogar des von Amelot ins Französische übersetzten Neuen Testaments an. Die katholischen Missionen arbeiten in den protestantischen Gebieten weiter, um die Neukonvertierten zu unterweisen.

Vorträge werden von den Doktoren der Sorbonne organisiert. Fénelon hält selbst einige in der Saintonge.

1686 überträgt der König den Gemeindepfarrern die Aufgabe, die Neukonvertierten zu überwachen. Sie stellen Listen der Neukonvertierten mit Anmerkungen auf. Auf diese Weise werden sie zu Handlangern der Unterdrückung. Sie denunzieren die schlechten Katholiken, jene, die nicht zur Messe gehen oder Ostern nicht am Abendmahl teilnehmen, oder die ihre Kinder nicht zum Katechismusunterricht schicken. Man nimmt ihnen ihren Besitz weg oder ihre Kinder, um sie in katholischen Einrichtungen unterzubringen.

Der Widerstand der ‚Neukonvertierten'

  • Pastoralbriefe von Pierre Jurieu (Rotterdam 1688) © SHPF

Die Neukonvertierten versuchen auf verschiedene Art, sich den ‚katholischen Verpflichtungen‘ zu entziehen. Die erste ist die Flucht, trotz des 1699 und 1713 wiederholten Verbots der Auswanderung.

Die zweite ist der passive Widerstand : nicht zur Messe gehen oder seine Kinder nicht mehr zum Katechismus schicken, sobald die Dragoner abgezogen sind. Tatsächlich wird der Besuch der Messe bei Honoratioren stärker überwacht als beim einfachen Volk. 1689 stellen die Gemeindepfarrer in Anduze fest, dass nur 10 % der Neukonvertierten zu Ostern die Kommunion empfangen haben.

Viele von denen, die verpflichtet sind, ihre Kinder zum Katechismus zu schicken, machen abends zu Hause die katholische Unterweisung zunichte und geben ihre Ablehnung des Katholizismus an ihre Kinder weiter.

Nach den Artikeln des Edikts von Fontainebleau ist die katholische Taufe verpflichtend. Die Neukonvertierten fügen sich, um ihrem Kind einen Personenstand zu geben, denn von nun an kann nur die katholische Kirche das Personenstandsregister führen. Die Eheschließung wird jedoch im Edikt nicht erwähnt. Einige Neukonvertierte nehmen die katholische Heirat hin. Andere schließen nur einen Ehevertrag vor dem Notar ab, aber dann sind ihre Kinder unehelich.

Was die letzte Ölung betrifft, so erfinden die Neukonvertierten alle möglichen Tricks, um ihr zu entgehen (plötzlicher Tod, Abwesenheit des Arztes, der den Zustand des Kranken den Zivilbehörden oder dem Gemeindepfarrer mitteilen muss).

Es ist aktiver Widerstand, wenn die Ausübung der Religion im Familienkreis oder in der Nachbarschaft aufrechterhalten wird. Die ausgewanderten Pastoren versuchen diese privaten Zusammenkünfte zu fördern, indem sie „Liturgien für die Christen ohne Pfarrer“ drucken lassen.

Aber sehr schnell versammeln sich in Südfrankreich die Neukonvertierten an abgelegenen Orten, um ihren protestantischen Glauben auszuüben. Das sind die heimlichen „Versammlungen“.

Sie werden auf grausame Art bestraft.

Bibliographie

  • Bücher
    • BERGEAL Catherine, Protestantisme et tolérance en France au XVIIIe siècle, La Cause, Carrières-sous-Poissy, 1988
    • CARBONNIER-BURKARD Marianne et CABANEL Patrick, Une histoire des protestants en France, Desclée de Brouwer, Paris, 1998
    • LÉONARD Émile Guilaume, Histoire générale du protestantisme, PUF, Paris, 1964, Volume 3
    • WOLFF Philippe (dir.), Histoire des Protestants en France de la Réforme à la Révolution, Privat, Toulouse, 2001

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