Die lutherische Kirche „Billettes“

Eine erste Kirche wurde 1294 errichtet in Angedenken an ein Wunder, das sich auf eine Hostie bezog: diese war entweiht und in kochendes Wasser geworfen worden, aus dem sie entrinnen konnte. 1299 wurden die religiösen Handlungen von den Brüdern der Charité Notre Dame ausgeführt, die „Billettes“ genannt wurden in Anlehnung an „Dieu bouilli“ (der gekochte Gott).

Die lutherische Kirche „Billettes“

  • Die lutherische Kirche „Billettes“ © Fondation Bersier (Thibault Godin 2016)
  • Die lutherische Kirche „Billettes“ © Fondation Bersier (Thibault Godin 2016)

Die Kirche entwickelte sich zu einem von Pilgerströmen stark besuchten Ort, die große Spenden brachten und 1405 den Bau einer neuen Kirche und 1427 die Einrichtung eines Friedhofs und eines Klosters ermöglichten. Dies ist der einzige Überrest, der noch heute besteht; es ist auch das einzige Kloster aus dem Mittelalter, das in Paris noch zu sehen ist.

Im Jahre 1633 wurde die Kirche von den Karmelitern übernommen, genannt Carmes Billettes. Nach zahlreichen Verhandlungen wurde die Kirche von 1754 bis 1758 neu erbaut mit einer Fassade im neoklassischen Stil und einem Kirchenschiff mit zwei Tribünen-Etagen nach Plänen von Mansart de Sagonne, dem Enkel von Jules Hardouin Mansart.

Während der Revolution wurden Kirche und Kloster an Privatleute verkauft. 1808 ließ Napoleon die Gebäude von der Stadt Paris erwerben, um sie dem Konsistorium der lutherischen Kirche zu übergeben.

Der Innenausbau stammt aus der Zeit des Empire, danach aus der Regierungszeit von Ludwig-Philipp. Die Kanzel und das Lesepult sind modern. Die Orgel des Orgelbauers Mülheisen aus Straßburg ist 1983 eingeweiht worden, wie eine Gedenktafel bezeugt.

Heute sind die „Billettes“ ein geistliches und kulturelles Zentrum. Die Gemeinde gehört der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs an. Der lutherische Gottesdienst wird am Sonntagmorgen gefeiert, ein Abendgottesdienst am Donnerstagabend. Die Akustik der Kirche ist bemerkenswert. Geistliche Konzerte werden dort regelmäßig gegeben. Eine aus Spenden hervorgegangene Gemäldesammlung ist in der Sakristei der Kirche ausgestellt.

Das lutherische Kulturzentrum ist im Nachbargebäude, in der Nummer 22 Rue des Archives, untergebracht. Dieses Zentrum beherbergt die Archive des ehemaligen lutherischen Konsistoriums von Paris und besitzt eine Bibliothek mit Büchern und Dokumenten. Es organisiert Vorträge für ein breites Publikum über vielfältige Themen und ist auch eine Ausbildungsstätte für Laienprediger.

In den Galerien des mittelalterlichen Klosters werden regelmäßig Ausstellungen organisiert.

 

Es ist zu beachten, dass die Lutheraner nicht das Wort „temple“ (Tempel) für ihre Kirchen benutzen.

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