Die Literatur
im 16. Jahrhunderts

Die mächtige Erneuerungsbewegung, die Reformation im sozialen und spirituellen Bereich darstellte, musste einfach der zeitgenössischen Literatur ihren Stempel aufdrücken : bedeutende Namen legen Zeugnis von ihr ab, ihren tiefgreifenden Einfluss belegen die großen Wirkungsgebiete.

Die religiöse Dichtung

  • Drucke von Guillaume du Bartas © S.H.P.F.

Auf dem Gebiet der Dichtung lässt sich dieser Einfluss zuerst feststellen. Was die eigentliche religiöse Inspiration angeht, dürfen der außergewöhnliche Glanz der Psaumes von Clément Marot und Théodore de Bèze und die großartige Vision der Tragédies von Agrippa d’Aubigné andere beachtliche Erfolge nicht vergessen lassen. Der reformierte Glaube hat auch direkt die gedankliche Fülle und den biblischen Atem der Semaine von Du Bartas hervorgebracht, deren ungeheuerer Erfolg ganz Europa prägte. Und im diskreteren Ausdruck der persönlicher Meditation sind die Sonette von Jacques Grévin, die Octonaires des Pfarrers Chandieu, die Poèmes chrétiens von Jean de Sponde klare Beispiele für eine gewisse hugenottische Lyrik, die karg, ernst und vibrierend ist.

Die profane Literatur

  • Robert Estienne, typographisches Zeichen (16. Jahrhundert) © Collection privée

Der Protestantismus begnügt sich nicht mit einem religiösen, von Kargheit und Strengheit geprägten Rahmen : er glänzt auch in der profanen Literatur. Die Neubewertung der Spätrenaissance hat die Liebesdichtung, die leidenschaftlich bewegt ist wie Printemps von Agrippa d’Aubigné oder Amours von Sponde, aus der Vergessenheit geholt..

Die reformierten Schriftsteller haben das Theater erneuert : man verdankt die erste französische Tragödie Théodore de Bèze : Abraham sacrifiant (1553), ihr folgt die biblische Trilogie des Louis des Masures, und dem hugenottischen Dramatiker Jean de La Taille verdankt man die vorklassische Abhandlung De l’art de la Tragédie.

Man findet Protestanten auch in den meisten anderen literarischen Genres, den leichten oder ernsten, die ihre Zeit geprägt haben, selbst wenn sie uns heute seltsam und weit entfernt erscheinen :

  • Unterhaltende Werke : Chansons et blasons von Eustorg de Beaulieu, illustrierte Embleme von Guillaume Guéroult oder Georgette von Montenay.
  • Lehrwerke, Übersetzungen und linguistische Werke (Pierre de La Ramée, genannt Ramus, Robert Estienne), Geschichtswerke (Jean Crespin, Simon Goulard, François de La Noue oder auch Agrippa d’Aubigné mit seiner Universalgeschichte (Histoire Universelle)).

Natur- und Humanwissenschaften

  • Theater der Agrikultur von Olivier de Serres © S.P.H.F.

Der reformierte Geist inspiriert ebenso einige grundlegende Werke praktischer oder angewandter Art auf den unterschiedlichsten Gebieten der Natur- und Humanwissenschaften : Ökologie und Chemie mit Bernard Palissy oder Olivier de Serres ( Agriculture et ménage des champs)), Chirurgie mit Ambroise Paré, Ethnologie mit Jean de Lhéry.

Im Bereich des politischen Denkens zeichnen sich auch wichtige Vorläufer aus, Sébastien Castellion für die Gedankenfreiheit, François Hotman für die Souveränität der Nation.

Eine moderne Sprache

  • Philipp Duplessis-Mornay (1549-1623) © S.H.P.F.

Durch die Vielfältigkeit dieser Arbeiten, zu denen das ganze theologische und polemische Schaffen hinzukommt, insbesondere das von Pierre Viret und Philippe Duplessis-Mornay, hat die Reformation eine tiefgreifende und bleibende Wirkung ausgeübt : die Entwicklung einer modernen, klaren, leistungsfähigen Sprache.

So ist die Literatur Calvins allgemein als erster Ausdruck der großen französischen Dichtung anerkannt.

Wenn es einen ureigenen Beitrag zur französischen Literatur durch die Reformation gibt, so ist dieser also nicht in einer protestantischen Literatur zu suchen, die als homogen und rigide gelten kann, sondern im Gegenteil in der Verschiedenheit der Genres und der Bereiche und der Tatsache, dass sie den Blick für Fragen öffnet, die eine ganze Epoche beschäftigen.

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