Die Hugenotten
in Hessen-Kassel

Wie Brandenburg nimmt Hessen-Kassel großzügig französische Hugenotten auf.

Niederlassung französischer Flüchtlinge in Hessen-Kassel

  • © Musée huguenot de bad Karlshafen
  • © Musée huguenot de Bad Karlshafen

Nordhessen oder Hessen-Kassel wird 1605 reformiert oder calvinistisch, während Hessen-Darmstadt im Süden lutherisch ist.

Wie das ebenfalls reformierte Brandenburg begünstigt Hessen, das unter den Folgen des 30 jährigen Krieges gelitten hat, die Ankunft hugenottischer Flüchtlinge.

Karl I. von Hessen-Kassel (1671-1730) veröffentlicht Empfangsedikte, die sich an die verfolgten französischen Protestanten richten, insbesondere an solche, die eine Manufaktur oder einen Handwerksbetrieb gründen wollen. Unter den von den Hugenotten gegründeten Betrieben sind zu nennen die Seidenindustrie, Handschuh-, Leinen- oder auch Glasmanufaktur.

Städtische Besiedlung

  • © Musée huguenot de Bad Karlshafen
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Im Edikt vom 18. April 1685 gewährt Landgraf Karl von Hessen den ‚Réfugiés‘, die sich in seinem Land niederlassen wollen, Freiheiten und Konzessionen ; insbesondere wird ihnen die Erlaubnis erteilt, ihre eigene Jurisdiktion auszuüben.

Die Anzahl der Flüchtlinge ist sehr hoch : nach der Widerrufung des Edikts von Nantes suchen 4.000 Personen Zuflucht in Hessen. Es ist die zweitgrößte hugenottische Gemeinde nach der in Brandenburg.

Auf Veranlassung des Landgrafen Karl I. werden zwei Städte in Hessen-Kassel gegründet, um sie aufzunehmen. Der Architekt ist Jean-Paul du Ry, selbst ein ‚Réfugié‘. Es handelt sich dabei um die Oberneustadt von Kassel und 1699 um Karlshafen, ganz neu gegründet auf dem Gebiet eines mittelalterlichen Dorfs.

Diese beiden Städte werden von einer gemischten Verwaltung regiert.

Zahlreiche Dörfer entstehen ebenfalls in der Provinz.

  • © Rachel Barral
  • © Rachel Barral

Der anfängliche Plan sah im Wesentlichen eine städtische Besiedlung vor. Im Laufe der Jahre wurde er von einer ländlichen Besiedlung ergänzt.

27 Ansiedlungen entstehen im Verlauf von drei Einwanderungswellen im ländlichen Raum, darunter Carlsdorf).

Ihre Anlage ist ganz schlicht ; man nennt so etwas Straßendorf, bestes Beispiel dafür ist Mariendorf.

In wirtschaftlicher Hinsicht können nur wenige dieser Kolonien ausschließlich Ackerbau betreiben. Die meisten von ihnen sind landwirtschaftlich und handwerklich zugleich ausgerichtet ; die am weitesten verbreitete handwerkliche Tätigkeit basiert auf der Wolle.

Die demografische Integration vollzieht sich ab der 3. Generation (um 1760-1780), aber es ist keine Assimilierung.

Das Erlernen der französischen Sprache war vom Landgraf garantiert worden, aber die Situation entwickelte sich in den einzelnen Kolonien unterschiedlich. Im religiösen Bereich wurde das Französische am längsten verwendet.

Bibliographie

  • Bücher
    • DAVID François, Le Refuge protestant dans les pays allemands (1652-1809), Toulouse, 1994
    • PROFIT G., Le cas de Cassel, Mémoire de maîtrise de Paris-Sorbonne, Paris, 1990

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