Die „Gobelins“

„Les Gobelins“ ist der Name eines Viertels in Paris, einer Teppichmanufaktur sowie einer reformierten Familie und eines Ort, der Hugenotten im 17. Jahrhundert als Zuflucht diente.

Jean Gobelin gibt diesem Teil des Bourg Saint-Marcel seinen Namen

  • Paris, vieux bâtiments de la Manufacture des Gobelins 1898
    Paris, Altbauten der Gobelinfabrik, 1898 © Collection privée

1443 lässt sich im Viertel Saint-Marcel, in der Nähe des Wassers der Bièvre, der Scharlachfärber Jean Gobelin nieder. Mit ihren Nachbarn, den aus Mailand stammenden Canayes, die gleichfalls Färber sind, gründen die Gobelins sehr prosperierende Unternehmen, die durch Ehebündnisse noch enger miteinander verbunden werden.

Sie besitzen sämtliche Grundstücke von der Rue Mouffetard (der jetzigen Avenue des Gobelins) bis zur Bièvre (der jetzigen Rue Berbier-du-Mets). Sie betreiben zunächst eine Färberei und diversifizieren später ihre Aktivitäten mit der Aufnahme der Tuch- und dann der Teppichweberei.

Die Namen der Familien Gobelin und Canaye sind bereits 1559 in den Registern der reformierten Kirche von Charenton eingetragen.

Wann schlossen sich die mit den Canayes verbundenen Nachkommen von Jean Gobelin der Reformation an ? Wir wissen es nicht genau.

1568 wird in Toulouse ein Canaye gehängt, der gekommen war, um Färbemittel aus Wau und Waid aus dem Lauragais zu kaufen, ein anderer wird in Paris in den Kerker geworfen und kommt 1572 in der Bartholomäusnacht um.

In den Registern der reformierten Kirche in Charenton sind Taufen und andere Eintragungen verzeichnet, die die Familien Gobelin und Canaye betreffen. Sie haben sogar ein Bestattungsrecht auf einem protestantischen Friedhof im Bourg Saint-Médard, Rue des Poules (jetzt Rue Laromiguière) erhalten.

Am 26. September 1621 dient das Haus der Gobelins als Zufluchtsort für die Hugenotten

In den Religionskriegen unter Ludwig XIII., auchRohan-Kriege genannt, wird der Herzog von Mayenne, der Bruder des Herzogs von Guise und dessen Nachfolger an der Spitze der Liga, bei der Belagerung von Montauban getötet. Auf diese Nachricht hin werden Hugenotten auf dem Heimweg von der Kirche in Charenton von Vagabunden angegriffen. Am folgenden Tag kommen die gleichen Raufbolde nach Charenton zurück und setzen die Kirche in Brand. Ein weiterer Aufruhr bricht im Bourg Saint-Marcel aus. In der Rue des Postes werden vier Häuser von Hugenotten geplündert. Es gibt Tote auf beiden Seiten.

Der Gouverneur von Paris, der Herzog von Montbazon, begibt sich vor Ort, um die Geister zu beruhigen. Er trifft Maßnahmen zum Schutz des Hauses der Gobelins, indem er 50 Bogenschützen der Stadt Paris abstellt, die die Bewachung und Sicherheit von Haus und Waren gewährleisten sollen. Es heißt nämlich, „eine große Anzahl von Anhängern der reformierten Religion habe sich zu den Gobelins geflüchtet“.

1601 werden die Teppichwerkstätten auf Veranlassung von Heinrich IV. durch die Ankunft von zwei Flamen, François de la Planche und Marc de Comans, erweitert. Letztere sind mit den Gobelins freundschaftlich und durch familiäre Beziehungen verbunden. Wir finden ihre Namen in den Registern der Kirche in Charenton, was zu beweisen scheint, dass sie Reformierte waren. Sie gründen die erste Teppichmanufaktur des Königs, die dann 1662 von Colbert gekauft und die berühmte königliche Manufaktur der Möbel der Krone wird, die heute Manufacture des Gobelins heißt.

Dann verliert sich die Spur der Familie Gobelin. Wir wissen lediglich, dass nach der Aufhebung des Edikts von Nantes ein Gobelin in die Bastille geworfen wird, weil er sich weigert, seinem Glauben abzuschwören. Die Manufacture des Gobelins und das gleichnamige Viertel halten die Erinnerung an ihre Namen wach.

Die „Gobelins“

Bibliographie

  • Bücher
    • LANGLOIS Gilles-Antoine, Le 13e arrondissement, une ville dans Paris, Délégation à l'action artistique de la ville de Paris, 1993
  • Artikels
    • LACORDAIRE Antoine Louis, „Les Gobelins“, Bulletin de la SHPF, SHPF, Paris, 1855, Tome 4, p. 500

Dazugehörige Vermerke

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