Die Gemeinschaft von Taizé

Die 1944 von dem Pfarrer Roger Schutz gegründete protestantische Gemeinschaft wurde zu einem ökumenischen Versammlungsort für junge Menschen aus der ganzen Welt, die auf der Suche nach Sinn und Engagement sind.

Die Ursprünge

  • Bruder Roger Schutz, Abt von Taizé © Fédération Protestante de France

Die Entstehung dieser an die Mönchstradition anknüpfenden Gemeinschaft geht zurück auf einen Ort : das Dorf Taizé im Departement Saône et Loire in der Nähe von Cluny, auf eine Zeit : die des Krieges, und eine persönliche Berufung : die des reformierten Schweizer Pfarrers Roger Schutz (1915-2005), der sich dort 1946 nach dem Kauf eines Hauses niederlässt.

Die ökumenische Bestimmung dieser Gemeinschaft wird gleich zu Beginn weiter gestärkt. Pfarrer Roger Schutz unterhielt bereits seit 1940 regelmäßige Kontakte zu dem Priester Paul Couturier (1881-1953) aus der Diözese Lyon, dem Initiator von Treffen zwischen Priestern und protestantischen Pfarrern, was für die damalige Zeit ein sehr kühnes Unterfangen war.

Diese Zusammenkünfte, zu denen inzwischen auch Roger Schutz und Max Thurian, der zweite Bruder, der sich der Gemeinschaft von Taizé angeschlossen hat, kommen, finden bald unterschiedslos in Taizé oder in der Abtei von Dombes (im Departement Ain) statt.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Brüder in der Communauté rasch an. Zu Beginn sind es 7, 1950 sind es 12, 1965 bereits 65 (darunter 12 protestantische Pfarrer), in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts 90 und 2004 sind es 120.

Ihre geografische wie konfessionelle Herkunft hat sich diversifiziert, und es sind inzwischen zwanzig Länder und mehrere Konfessionen vertreten, darunter auch die katholische Kirche.

Die Lebensweise der Communauté

  • Bruder Roger Schutz, Abt von Taizé, und die Brüder von Taizé © Fédération Protestante de France

Sehr rasch zeigt sich die Notwendigkeit einer „Regel“, diese stellt jedoch mehr ein Lebensprogramm als Vorschriften im engeren Sinn des Wortes dar. Sie regelt die Akte der Communauté, die geistigen Disziplinen und schreibt Gelübde vor : Ehelosigkeit, Gütergemeinschaft, Unterordnung unter eine Autorität, die des Priors in der Person von Bruder Roger bis zu dessen Tod 2005.

Diese Regel wurde 1951 verfasst und wird ständig ergänzt und angepasst. Wie in jeder Ordensgemeinschaft ist der Tagesablauf rhythmisch gegliedert durch Gottesdienst, Meditationszeiten und Gebet. Bei den Gottesdiensten tragen die Brüder weiße Gewänder, eine Art Alba.

Von der Communauté de Taizé wurde mit den Landwirten der Gegend eine Genossenschaft gebildet, die eine Aufgabenteilung und die Verteilung des Gewinns vornimmt.

Außerdem tragen die verschiedenen – manuellen oder intellektuellen – Tätigkeiten, die von den Brüdern anderweitig ausgeübt werden, zur Aufbringung der notwendigen Mittel bei, um die Kosten der Communauté zu bestreiten.

Eine der Prioritäten : die Betreuung junger Menschen

  • Der Pfarrer Boegner predigt in der Kirche von Taizé © Fédération Protestante de France

Durch die Teilnahme von zwei protestantischen Brüdern als Beobachter beim II. Vatikanischen Konzil gewinnt der ökumenische Charakter der Communauté noch weiter an Visibilität, es gibt zahlreiche Kontakte zum Vatikan und zum orthodoxen Patriarchat in Instanbul, und mit einer Gruppe aus der Abtei von Dombes wird theologische Forschungsarbeit geleistet.

Höchste Priorität hat jedoch die Öffnung hin zur Jugend. Deren Einbeziehung dehnt sich immer weiter aus. Die große Versöhnungskirche (Église de la Réconciliation) wird von jungen Menschen gebaut, die von überall her zusammengekommen sind, um die Tragödien des Krieges zu überwinden, und am 5. August 1962 wird sie im Beisein höchster Vertreter der reformierten, der anglikanischen, der orthodoxen und der katholischen Kirche eingeweiht.

Alljährlich werden im Sommer Treffen mit einem festen Thema angeboten. Ein herausragendes Ereignis war das Jugendkonzil, das nach vierjähriger Vorbereitung mit Reflexionsthemen wie „Die Suche nach einem Ideal„, „Die Notwendigkeit der Selbstentäußerung“, „Die Brüderlichkeit der Menschen“, „Der Einsatz für Menschen, die Opfer von Menschen sind“ vom 30. August bis 1. September 1974 in Taizé stattfand. Rund 40 000 junge Menschen aus fast 100 Nationen nahmen an diesem Konzil teil, und seit 1975 werden alljährliche Treffen jeweils in einer anderen europäischen Stadt ausgerichtet.

Taizé hat sich auf diese multikulturelle Jugend auf der Suche nach religiöser Erfahrung eingestellt,und eine strenge Planung der Organisation sorgt für einen reibungslosen Ablauf. In den Gebeten, die in mehreren Sprachen gesprochen werden, werden einfache Worte verwendet : Hören, Vertrauen, Hoffnung. Die Struktur der Gesänge ist repetitiv. Es wird versucht, das Wesentliche zu sagen und eine Botschaft zu vermitteln : die Evangelisierung wendet sich in erster Linie an die Jugend, diese kann dabei jedoch auch eine Partnerrolle übernehmen.

Gleichzeitig engagieren sich die Brüder für die Ärmsten. Sie eröffnen Bruderschaften (fraternités), in denen sich einige Brüder an Orten zusammenfinden, wo großes menschliches und geistiges Elend herrscht : in Brasilien, Chile, Bangladesch, Senegal… Am 15. Mai 1963 wird in einem großen Pariser Hotel die Operation Hoffnung gestartet, die als Hilfsaktion insbesondere für den südamerikanischen Kontinent gedacht ist.

Eine internationale Ausstrahlung ..., jedoch auch Fragen

  • Der Kirchturm von Taizé, Saône-et-Loire © Jean Denys Robert

Der Ruf der Communauté hat sich rasch verbreitet. Exerzitien, Treffen, Gespräche sind nicht nur bei jungen Leuten gefragt, sondern auch bei Ordensleuten aller Konfessionen, die frischen Wind in das Leben ihrer eigenen Gemeinschaften bringen möchten.

Taizé wirft jedoch auch Fragen für den Protestantismus auf

Die Existenz von Ordensgemeinschaften wurde gleich in den ersten Zeiten der Reformation grundsätzlich verworfen, und ihre Bildung wird mit einem gewissen Misstrauen betrachtet trotz des Bestehens der Diakonissen von Reuilly, der Schwestern von Pomeyrol und der Frauengemeinschaft von Grandchamp in der Schweiz, deren Entstehung auf 1936 zurückgeht und die 1963 die Regel von Taizé übernommen hat.

In rechtlicher Hinsicht gehört die Communauté von Taizé keiner kirchlichen Organisation und auch nicht dem Ökumenischen Rat an. Einer der allerersten Brüder protestantischer Herkunft, die sich der Communauté angeschlossen haben, wurde zum Priester geweiht. Es bestehen häufige, offizielle Kontakte zum Vatikan. Die protestantischen Pfarrer, die der Communauté angehören, sind nicht befugt, bei den Gottesdiensten die Eucharistie zu feiern, dies muss durch einen Priester geschehen, aber zum Abendmahl haben alle Zugang und zwar in beiderlei Gestalt, was bei den Feiern eine gewisse Verwirrung hervorruft.

Taizé bietet jedoch auch Antworten : Es ist ein privilegierter Ort der Versöhnung zwischen Christen unterschiedlicher Herkunft, ein Ort, der den Glauben an Christus weckt, der Zeugnis von der universelle Kirche ablegt. „Man spürt in dieser Gemeinschaft den Entwurf einer Antwort auf die gegenwärtigen Tragödien der Kirche und der Welt“ (On pressent dans cette communauté l’ébauche d’une réponse aux drames présents de l’église et du monde – M. Sweeting).

Bibliographie

  • Bücher
    • GRENIER Jean-Claude, Taizé, une aventure ambiguë, Édtions du Cerf, Paris, 1975
    • MAGNIFICAT Maurice, Taizé : son expérience et ses images, Université Jean Moulin Lyon III, Lyon, 1976
    • PAUPERT Jean-Marie, Taizé et l’Église de demain, Le signe / Fayard, Paris, 1967

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