Der Symbolfideismus

Der Symbolfideismus betont den Glauben, das heißt, die Beziehung zu Gott, und relativiert die Lehren. Die Gotteskenntnis übertrifft die menschlichen Formeln und Ausdrücke.

Die Schule von Paris, Eugène Ménégoz

  • Überlegungen zur Heilsbotschaft von Ménégoz © S.H.P.F.

Die Lehrstreitigkeiten zwischen den Liberalen und den Orthodoxen verlagern sich allmählich am Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Symbolfideismus, der auch die ‚Schule von Paris‘ genannt wird. Die Annäherungen und Vertiefungen in der Lehre ergeben sich hauptsächlich aus dem Werk zweier Professoren und Dekane der neuen, 1877 gegründeten theologischen Fakultät von Paris, dem Lutheraner Eugène Ménégoz und dem Reformierten Auguste Sabatier.

Ménégoz wendet sich sehr an die breite Öffentlichkeit der Kirchen und leistet populärwissenschaftliche Arbeit. Er entwickelt und verteidigt den Fideismus, worunter er die Bekräftigung des Heils durch den Glauben versteht, unabhängig von Glaubensmeinungen. Er ist der Ansicht, dass die religiösen Überzeugungen den Erfahrungen und Denkweisen jener Epoche entsprechen, in der sie entstanden sind. Man kann sie also kritisieren und revidieren. Ménégoz gesteht daher den Lehrstreitigkeiten keine entscheidende Bedeutung zu : sie berühren die Substanz und das Wesentliche des christliche Glaubens nicht.

Der Symbolismus Auguste Sabatiers

  • Auguste Sabatier © S.H.P.F.

Sabatier schreibt eher für Theologen und Intellektuelle. Aufgrund seiner Berichte über literarische und gesellschaftliche Themen in der nationalen Presse geht seine Wirkung weit über die Grenzen des Protestantismus hinaus. Er möchte den Glauben, die Wissenschaft, die Geschichte, die gerade aufkommende Psychologie, das kirchliche Engagement und die Gedankenfreiheit des Theologen versöhnen dank des kritischen Symbolismus (stark beeinflusst durch Kant). Die religiöse Erkenntnis ist symbolisch. Gott steht jenseits unserer Gedanken, unserer Vorstellungen und unserer Formeln : diese orientieren sich auf etwas hin, das sie übersteigt und in den Bereich des Unausdrückbaren gehört. Lehren und Dogmen sind relativ, sie entwickeln sich, wobei sie die gleiche religiöse Erfahrung, die aus der Bibel schöpft und sich auf Christus gründet, ausdrücken.

Die Einheit der Gläubigen besteht, wenn sich ihre Religion auf den Glauben konzentriert (die Beziehung zu Gott) und wenn man seinen Äußerungen keinen absoluten Wert beimisst. An Stelle der Autoritätsreligionen (sei es die Autorität eines Klerus oder eines Buches) will der Symbolfideismus die Religion des Geistes setzen, die sich auf eine geistige Erfahrung gründet, und das Evangelium, das deren Quelle ist.

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