Der Methodismus

Die Latitudinarier (latitude -men)

  • John Wesley (1703-1791) © Société Évangélique de Genève

In Großbritannien flauten im 18. Jahrhundert die religösen Überzeugungen ab. Sie waren vom Latitudinismus beeinflusst, einer Anschauung, die sich durch ihre Feindseligkeit gegenüber jeglichem Dogmatismus auszeichnet. Die latitude- men widersetzten sich der Intoleranz des Puritanismus. Sie hielten das Christentum eher für einen Faktor guter Sittlichkeit als eine Quelle inbrünstiger Überzeugungen. Ihre Leitworte waren Vernuft und Wohlwollen. In dieser Zeit fing die Industrialisierung des Landes an und die Kirche war meistens weit entfernt von den neuen Arbeitervierteln mit ihren Hütten und ihrem Elend.

Die Männer der Erweckung

Die Erweckungsbewegung war eine Reaktion auf die rundum herrschende Trägheit. Sie begann mit Georges Whitefield (1714-1770), der unter freiem Himmel von einer Bergwerkshalde herunter für die Bergleute von Wales predigte, später dann in London. Dank seiner leidenschaftlichen Beredsamkeit versammelte er beträchtliche Hörerschaften. Die Bewegung wurde von John Wesley (1703-1791) strukturiert, der mit seinem Bruder Charles in Oxford einem frommen Studentenkreis angehörte, in dem sie regelmäßig die Bibel lasen und eine Ordensregel befolgten.Wesley war von seinem Bekehrungserlebnis am 24. Mai 1738 geprägt. Er maß der Heiligung durch Werke großen Wert bei als konkretes Zeugnis des Gnadenzustandes des Gläubigen. Dieser war verpflichtet, nach seiner religösen Wiederbelebung („revival of religion“) ein frommes und wohlgeordnetes Leben zu führen.

Indem sie außerhalb der Kirchengemeinden predigten, da wo die Leute eben waren – am Arbeitsplatz, auf den Märkten, unter freiem Himmel – und indem sie Laienprediger zuließen,legten Wesley und Whitefield den Grundstein der modernen Evangelisation. Sie erregten den Widerstand der anglikanischen Kirche und den Spott der Öffentlichkeit, vor allem weil viele Versammlungen von kollektiven Tränenausbrüchen, Schmerzens- oder lauten Freudenschreien bis zur kollektiven Hysterie geprägt waren : Wesley besaß außer seiner großen Rednergabe zusätzlich die Fähigkeit zu hypnotisieren, die er auch anzuwenden wusste.

Die Gründung des Methodismus

Während Whitefield der anglikanischen Kirche treu blieb, trennte sich Wesley als Gegner der Prädestinationslehre Calvins allmählich von ihr. Der Bruch vollzog sich 1784 :Wesley erwirkte die Anerkennung seiner Kirche, indem er ihr seine Schriften zur theologischen Leitschrift machte und seine Vollmacht einer Oligarchie von 100 Predigern übertrug. Der auf diese Art gegründete Methodismus blieb wegen des Gewichts der christlichen Basisgruppe presbyterianisch, war jedoch im Hinblick auf seine Funktionsweise sehr episkopalisch.Wesley war selbst „high-church“ (Anhänger der anglikanischen Hochkirche) und Tory (Konservativer), stark auf Etikette und Ordnung bedacht und ziemlich autoritär.

Ziel und Aufschwung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die britische Erweckungsbewegung mit William Wilberforce (1759-1833) zwei Ziele : die Abschaffung des Sklavenhandels in Afrika und die Erneuerung der Sitten. Während der ganzen viktorianischen Epoche war sein Einfluss sichtbar, oft wurde ihm vorgeworfen, die soziale Rangordnung zustärken. Verschiedene Strömungen gingen von ihr aus : so die Darbyisten und die Heilsarmee.

Der Methodismus fand ein vorzügliches Aktionsfeld in Amerika, dank seiner großen Massenversammlungen, seiner religiösen Zeitschriften, seiner Kirchenlieder, die lebendiger Ausdruck der Bewegung sind und aus welchen die Negro-Spirituals hervorgehen sollten. Die methodistische Erweckungsbewegung begünstigte den Aufstieg der Frauen, stellte die sozialen Unterschiede in Frage und förderte die ethnische Vermischung.

Bibliographie

  • Bücher
    • LOVSKY Fadiey, Wesley, apôtre des foules, pasteur des pauvres, Foi et Victoire, 1977

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