Das Museum der Wüste

Die Wüste ist in der Geschichte des französischen Protestantismus die Zeit, die sich von der Widerrufung des Edikts von Nantes durch Louis XIV. (1685) bis zum Toleranzedikt (1787) erstreckt, mit dem Louis XVI. den Nichtkatholiken ihren Bürgerstand zurückgab – eine Epoche, in der der Widerstand der Protestanten kurze Zeit bewaffnet (der Kamisardenkrieg), meist friedlich, immer gefährlich und ausschlaggebend für das Weiterbestehen der reformierten Religion in Frankreich war.

Das Geburtshaus des Kamisarden Rolland wird im 20. Jahrhundert ein Museum

  • Museum der Wüste in Mialet © O. d'Haussonville

Das Museum der Wüste wurde 1910 von Franck Puaux und Edmond Hugues im Geburtshaus des Anführers der Kamisarden, Rolland, gegründet, das am Ende des 19. Jahrhunderts von der Société de l’histoire du protestantisme français erworben worden war. Es wurde ab 1928 von Pierre-Edmond Hugues ausgedehnt und erfuhr 1970 und 1984 neue Erweiterungen.

Das Museum der Wüste ist ein historisches Museum. Durch verschiedene Techniken versucht es, einen entscheidenden Abschnitt der protestantischen Vergangenheit wieder lebendig zu machen : Nachbildungen (Wohnraum , Küche und Zimmer oder, wie im Wachsmuseum Grévin, Familiengottesdienst in der Zeit der Verborgenheit) ; oder Darbietung von Gegenständen, die dem Gottesdienst in der Wüste dienten (Bibeln, Psalter, Abendmahlskelch, zusammenklappbare Kanzeln) ; Darstellung des repressiven Apparats (Edikte, Regelungen, Verordnungen, deren schiere Menge auf die Stärke des Widerstands schließen lässt) ; schließlich eine Reihe von Gemälden aus dem 19. und 20. Jahrhundert, in denen Maler, als ob eine Schule bildend (Girardet, Labouchère, Jeanne Lombard, Max Leenhardt), ihren protestantischen Glauben durch Szenen aus der Geschichte des Protestantismus ausdrückten.

Ein erster Teil des Museums, untergebracht im Haus Rollands, lädt zu einem chronologischen Gang ein :

  • die ersten Verfolgungen,
  • der Aufstand der Cevennen,
  • die heimlichen Versammlungen,
  • die Wiederherstellung der protestantischen Kirchen unter Antoine Court,
  • nach der Tragödie der Affäre Calas die Fortschritte in der Toleranz dank Paul Rabaut, die mit der Revolution zur Freiheit der Religionsausübung führen.

Ein anderer, jüngerer Teil des Museums ist die Gedenkstätte, die einen thematischen Charakter hat. Sie erinnert an die verschiedenen Prediger und Pfarrer der Wüste:

  • die ihre Treue zu ihrem Amt auf dem Schafott mit dem Leben bezahlten,
  • den Exodus der Hugenotten, 250 000 Franzosen, die das Exil der Eingliederung (‚réunion‘) vorzogen,
  • die Galeerensträflinge aus Glaubensgründen,
  • die weiblichen Gefangenen, besonders die aus dem Tour de Constance.

Vier Arten der Verfolgung könnte man sagen.

Es wäre falsch, diese Erinnerungsstätte wie einen Foltergarten zu besichtigen, eine Ansammlung von tiefverwurzelten Böswilligkeiten einer feindlichen Macht. Es wird hier nur an die Verfolgungen erinnert, weil sie gleichzeitig den Preis angeben, der zu zahlen war, und auch die Sinngebung für den Widerstand, der daraus hervorging. Warum leisteten sie Widerstand ? Um Protestanten zu sein.

Das Museum der Wüste : Versammlungsort der Protestanten

  • Gottesdienst im Museum der Wüste © Haussonville

Darin wird der eigenartige Platz deutlich, den das Museum der Wüste unter den anderen Museen des französischen Protestantismus einnimmt Es hat sowohl eine historische als auch eine religiöse Aufgabe : als protestantische Erinnerungsstätte möchte es auch ein Ort des Erwachens, der protestantischen Erweckung sein. Das erklärt, warum gleich am Eingang die Reformation Luthers und Calvins und die Bedeutung ihres Bruch dargestellt werden. Das erklärt auch, warum der historische Gang einen Moment unterbrochen wird, um einen ganzen Saal der ‚Lektüre der Bibel‘ zu widmen, als sollte betont werden, dass die christliche Freiheit in dieser Lektüre ihren Ursprung hat. Das erklärt vor allem, warum von Anfang an das Museum das Zentrum der ‚Versammlungen in der Wüste‘ war.

Jedes Jahr am ersten Sonntag im September versammeln sich in Mas-Soubeyran Tausende von Protestanten (15 – 20 000 je nach Jahr), die nicht nur aus den Cevennen oder dem Languedoc kommen, sondern aus allen Regionen Frankreichs und den Ländern des ‚Refuge‘. Der wichtigste Augenblick der Tages ist der morgendliche Gottesdienst ; am Nachmittag findet ein Fest statt, das unter einem Thema steht, das sich jedes Jahr ändert, mal wird eines Ereignisses gedacht (zum Beispiel 1986 : der 450. Jahrestag der Einführung der Reformation in Genf), mal wird an eine historische Persönlichkeit des Protestantismus erinnert (zum Beispiel 1983 : der 150. Geburtstag Luthers).

Das Museum der Wüste
Mas Soubeyran, Mialet
F-30140 Anduze
Tel. +33 (0) 4 66 85 02 72
Fax. +33 (0) 4 66 85 00 02
Kontakt : musee@museedudesert.com

Das Museum der Wüste

Mas Soubeyran, Mialet, 30140 ANDUZE

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Autor: Das Museum der Wüste

Bibliographie

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    • Site du Musée du Désert | Link

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