Das Institut
für protestantische Theologie

Das Institut für protestantische Theologie wurde 1972 gegründet und fasst in einer gemeinsamen Einrichtung die Fakultäten für protestantische Theologie von Montpellier und Paris zusammen. Seine Hauptaufgabe ist die Ausbildung für diverse Ämter in den reformierten und lutherischen Kirchen Frankreichs. Hinzu kommen zahlreiche Aktivitäten im Bereich der Forschung und der Fortbildung. Diese werden oft unter Mitwirkung der religionswissenschaftlichen Abteilung der École pratique des Hautes Études, der Fakultät für katholische Theologie von Paris, des Instituts für ökumenische Studien und der École des Hautes Études en Sciences Sociales durchgeführt.

Ein Institut für zwei Standorte

  • Das Institut für protestantische Theologie (Paris) © Thibault Godin

Seit 1972 fasst das Institut protestant de théologiein einer gemeinsamen Struktur die freien Fakultäten für protestantische Theologie von Montpellier und Paris zusammen. Es nimmt mehr als 300 Studenten auf sowie zahlreiche Hörer in freier Ausbildung oder Fortbildung. Einige Jahre lang wurde der erste Zyklus in Paris und der zweite in Montpellier absolviert. Diese Praxis wird je nach den Umständen gelockert, aber die Professoren lehren im Allgemeinen an beiden Stätten.

Die Fakultäten hatten eigene und sich gegenseitig ergänzende Werdegänge. Beide hatten ihren festen Platz in der protestantischen Tradition, diesem breiten und von intensiven Debatten gekennzeichnete Spektrum, das vom Liberalismus bis zur „Orthodoxie“ reicht.

Der Campus von Montpellier

  • Monpellier, Fakultät für protestantische Theologie © Collection particulière
  • Monpellier, Fakultät für protestantische Theologie © Collection particulière

Die Fakultät von Montpellier wurde 1919 mit dem Ziel gegründet, die Fakultät von Montauban, die zusammen mit Straßburg die wichtigste Ausbildungsstätte für Pastoren der protestantischen Konkordatskirche im 19. Jahrhundert gewesen war, in ein und dieselbe Universitätsstadt zu verlegen. Die Fakultät von Montauban war 1809 im Verwaltungsbereich der Akademie von Toulouse gegründet worden und residierte in der Nähe der 1598 gegründeten alten Protestantischen Akademie.

Die ersten Dekane von Montpellier waren Henri Bois (1862-1924) und Léon Maury (1863-1931), zwei Theologen, die für die sozialen Probleme ihrer Zeit und die fortschreitenden Erkenntnisse in den Gesellschaftswissenschaften besonders offen waren. Seitdem lehrten viele berühmte Professoren die kritische Exegese des Alten und des Neuen Testaments (insbesondere Wilhelm Vischer), die Kirchengeschichte, die alten Sprachen, die systematische Theologie (André Gounelle), die praktische Theologie und soziale Fragen, Philosophie und Moral. Im Rahmen des Institut protestant de théologie verstärkte die Fakultät von Montpellier ihre Kompetenzen im Bereich der Gesellschaftswissenschaften. Sie wird durch viele internationale Partnerschaften bereichert. So konnte sie unter deren Mitwirkung zahlreiche eigene Arbeiten durchführen, insbesondere über Paul Tillich und die Prozess-Theologie [siehe unter diesem Stichwort]. Sie ist mit den öffentlichen Universitäten der Region Provence/Alpes/Côte-d’Azur verbunden.

Der Campus von Paris

  • Das Institut für protestantische Theologie (Paris) © Thibault Godin
  • Hauptgebäude des Institut für protestantische Theologie © Thibault Godin
  • Bibliothek und Fonds Ricœur © Thibault Godin

Die Fakultät von Paris wurde 1877 gegründet, als sich zwei Professoren der Universität aus Straßburg zurückzogen, weil sie dort unter der deutschen Vorherrschaft nach der Niederlage von 1870 weder lehren wollten noch konnten. Sie ermöglichten es, dass zum ersten Mal seit den Anfängen der Reformation in Frankreich eine Ausbildungsstätte von Pastoren, Missionaren und Theologen in Paris gegründet wurde. Außerdem brachten sie in ihrem „Gepäck“ die Denkanstöße der historisch-kritischen Schule mit, die in Deutschland eine große Verbreitung erfahren hatte (insbesondere durch die Arbeiten von Adolf von Harnack).

Seit ihren Anfängen war die in Paris am Boulevard Arago untergebrachte Fakultät ein sehr offenes Zentrum für Forschung und Lehre. Die Professoren waren mit der aufkommenden Bewegung des sozialen Christentums verbunden, die sie sehr bereichert haben. Sie nahmen an den Debatten teil, die die staatliche Universität, die sich zu jener Zeit reformierte und modernisierte, bewegten, und an jenen über die Krise der Moderne. Frédéric Lichtenberger, Adolphe Lods, Wilfred Monod, Raoul Allier waren einige von ihnen. Dann öffnet sich die Fakultät dem Werk und der Lehre Karl Barths, vor allem unter dem Einfluss von Pierre Maury, gefolgt von Jean Bosc, Georges Casalis, André Dumas und Oscar Culman.

Im Rahmen des Institut protestant de théologie hat die theologische Fakultät von Paris ihre Zielsetzungen ausgebaut. Sie intensivierte ihren Austausch mit der religionswissenschaftlichen Abteilung der École pratique des hautes Études, mit der École des hautes études en sciences sociales und mit den verschiedenen Fakultäten (Philosophie, Theologie) des Institut supérieur d’études œcuménique am Institut catholique von Paris.

Der von der reformierten Kirche Frankreichs betriebene Auditoire protestant steht als ein Ort der Begegnung und Debatten mit dem Institut in Verbindung : http ://www.auditoire-protestant.com

Der Philosoph Paul Ricœur vermachte ihr seine Bibliothek.

Das Institut
für protestantische Theologie

81 Boulevard Arago, 75014 Paris, France

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