Charles Westphal (1896-1972)

Ein Pfarrer der Reformierten Kirche Frankreichs und ein scharfsinniger, subtiler Geist. Charles Westphal bleibt in Erinnerung als ein Mensch mit großer geistiger Ausstrahlung und einer soliden literarischen Bildung.

Studium, Krieg und die ersten Pfarrstellen

  • Pfarrer Charles Westphal © Fédération Protestante de France

Charles Westphal wurde 1896 in Montpellier geboren. Nach seinem humanistischen Studium in Paris meldet er sich 1914 gleich in den ersten Monaten als Freiwilliger. Er wird zwei Mal schwer verwundet und mit dem französischen Kriegskreuz ausgezeichnet.

Nach dem Ende der Feindseligkeiten nimmt er das Theologiestudium auf, studiert zunächst an der Fakultät für protestantische Theologie in Paris, dann am Union Theological Seminary in New York und schließlich in Edinburg.

Nach einer ersten Pfarrstelle in Châtillon-en-Diois, im Departement Drôme, wird er 1929 als Nachfolger von Pfarrer Pierre Maury Generalsekretär der Fédération Française des étudiants Chrétiens (Französischer christlicher Studentenbund), der „Fédé“, die er mit seiner Öffnung auf die Ökumene hin und seiner großen literarischen Bildung prägend beeinflusst. Er ist ein eifriger Leser Kierkegaards und ein großer Bewunderer von Paul Claudel.

Nach einem Zwischenspiel in der reformierten Kirche von Pentemont (Paris) wird er nach Grenoble berufen, wo er von 1939 bis 1945 mit einer Pfarrstelle für theologische Unterrichtung und Bildung für Laien betraut ist.

Dort hilft er Studenten, die sich für das „Maquis“ (bewaffneter Widerstand) und die „Résistance“ (Widerstandsbewegung) entscheiden, sowie zahlreichen Juden, die in die Schweiz fliehen wollen, und gründet die Cahiers d’Études Juives (Hefte für jüdische Studien).

1945 kommt er nach Paris zurück. Dort ist er als Pfarrer der reformierten Gemeinde Saint-Esprit tätig und übernimmt darüber hinaus zahlreiche weitere Aufgaben.

Er wird 1945 nach Pierre Maury Direktor von Foi et Vie, einer Zeitschrift für protestantische Theologie, 1947 wird er Vizepräsident der Fédération Protestante (Bund protestantischer Kirchen), 1961 wird er als Nachfolger von Pfarrer Marc Boegner deren Präsident und bleibt es bis 1970.

Theologe und Mitbegründer der ökumenischen Bewegung

  • Sitzung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Evanston (USA) im Jahre 1954 © La Voix Protestante

Wie viele Pfarrer seiner Generation war auch Charles Westphal stark vom theologischen Denken des Schweizers Karl Barth geprägt, und er gehört mit Pierre Maury zu denen, die Karl Barth in Frankreich bekannt machen. 1932 lässt er in Le Semeur, dem Presseorgan der Fédération des Étudiants Chrétiens, die erste ins Französische übersetzte Schrift von Karl Barth veröffentlichen, und 1939 ist er der Inspirator des Briefs von Karl Barth an die französischen Protestanten, Aux protestants de France, in dem er diese in ihrem Widerstand gegen den Nationalsozialismus nachhaltig bestärkt.

Die Predigten von Charles Westphal sind eine schöne Illustration der Barthschen Theologie mit ihrer Zentrierung auf Christus, „die die Realität der Gnade erahnen lässt“ („sachant faire pressentir la réalité de la grâce“), gestützt durch Anbetung und Hoffnung.

Gleichzeitig ist er darauf bedacht, die protestantischen Minderheiten nicht auszugrenzen, besonders die Baptisten, deren Frömmigkeit er bewundert.

Daneben leistet er einen engagierten Beitrag zu der im Entstehen begriffenen ökumenischen Bewegung.

Er ist der Initiator des Laboratoire de Recherches Théologiques (theologisches Forschungslaboratorium), das er zusammen mit den Patres Villain und Congar leitet, und er nimmt zusammen mit diesen an zahlreichen Diskussionsveranstaltungen teil.

Er ist bei den ökumenischen Versammlungen in Amsterdam (1948) – der Gründungsversammlung des Ökumenischer Rats der Kirchen -, in Evanston (1954) und in New Delhi (1961) dabei und wird 1956 zum Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats der Kirchen gewählt.

Bibliographie

  • Bücher
    • MAYEUR Jean-Marie et HILAIRE Yves-Marie, Dictionnaire du monde religieux dans la France contemporaine, Beauchesne, Paris, 1985-, Tome 9

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