Barthélemy Prieur (1536-1611)

Bildhauer.

Erste Aufträge : der Herzog von Savoyen

Barthélemy Prieur wird 1536 in Berzieux, Champagne (heutiges Département de la Marne), in einer Bauernfamilie geboren. Vielleicht in den Niederlanden ausgebildet, geht er nach Italien, insbesondere Turin, wo er von 1564 bis 1568 für den Herzog von Savoyen Emmanuel-Philibert arbeitet. Dem Aufenthalt in Turin gehen wahrscheinlich welche in Rom, Florenz und Mailand voraus.

Rückkehr nach Frankreich

Das Schaffen des nach Frankreich zurückgekehrten Künstlers folgt mehreren Richtungen. Einerseits arbeitet er an unterschiedlichen Werken, bei denen Grabmonumente vorherrschen ; andererseits führt er die Herstellung von kleinen Bronzewerken in Frankreich ein, wie man sie zu der Zeit in Italien findet.

  • Grabmonumente

1571 befindet sich der Bildhauer in Paris, wo er unter der Leitung des Architekten Jean Bullant zwei der Tugenden (Vertus) des Monuments, in dem das Herz des Konnetabel Anne de Montmorency, heute im Louvre untergebracht, herstellt. Er wird von neuem vom Architekten für das Grabmal des Konnetabel und seiner Frau, das ab 1576 in der Kirche von Saint-Martin de Montmorency errichtet wird, herangezogen ; die liegenden Figuren, die vom Grabmal stammen, das in der Revolutionszeit zerlegt wurde, werden im Louvre aufbewahrt. 1585 ersucht man ihn, am Grabmal für Christophe de Thou mitzuwirken, dessen Büste, sowie die Allegorien und die génies funéraires, vor der Zerstörung durch die Revolution bewahrt werden konnten (im Louvre). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entsteht die Betende, die Marie de Barbançon-Cani darstellt, die erste Frau des Präsidenten Jacques-Auguste de Thou, des Sohnes von Christophe, für ihr gemeinsame Grabmal ; diese bildliche Darstellung, die ebenfalls im Louvre aufbewahrt wird, weist einen großen Klassizismus in Behandlung und Ausdruck des Modells auf.

  • Kleine Bronzewerke

Neben den großen Grabmonumenten und seiner Mitwirkung an königlichen Bauvorhaben, zu dem ihn 1591 seine Ernennung zum königlichen Bildhauer bestimmt, führt Barthélémy Prieur in Frankreich eine ganz besondere Tätigkeit ein und entwickelt sie : die Herstellung von kleinen Bronzewerken. Da mehrere Exemplare produziert werden, ist er auf eine Werkstatt angewiesen, in der sein Schwiegersohn Guillaume Dupré einen äußerst wichtigen Platz einnimmt. Die Gegenstände sind unterschiedlich, wie es die Bestandaufnahme nach dem Tod des Künstlers bezeugt. Die kleinen Figuren der Venus und die Köpfe von Scipio et Marc-Aurel finden sich neben Darstellungen verschiedener Tiere, Lampen und Bildnissen von Herrschern, manchmal in allegorischer Form wie die Bronzen, die Henri IV. und Marie de Médicis mit den Zügen von Jupiter und Juno zeigen (Louvre).

Ein Protestant, der mit seinem Milieu eng verbunden bleibt

Man weiß nicht, wie Barthélemy Prieur zum Protestantismus gelangt ist. Wurde er in einem protestantischen Milieu geboren ? Ist er übergetreten ? Seine beiden Ehen wurden im reformierten Milieu geschlossen. Seine erste Frau, Marguerite, war die Tochter eines Pariser Goldschmieds. Als er Witwer wird, heiratet er Rachel Thiboust, die Witwe eines Landmanns.

1575 verlässt er Paris und flüchtet ein erstes Mal nach Sedan, von wo er 1585 von neuem flüchtet und wo er sich wahrscheinlich bis 1591, als er zum königlichen Bildhauer ernannt wird, aufhält.

In Paris wohnt er in der Rue Garancière im Viertel von Saint-Germain des Près, in dem es so viele Reformierte gibt, dass es sogar ‚Klein-Genf‘ genannt wird. Er kennt die Familie Du Cerceau und auch Bernard Palissy, an dessen Vorlesungen er gemeinsam mit Ambroise Paré teilnimmt. Seine Bibliothek enthält zahlreiche religiöse Werke wie eine Genfer Bibel, Calvins Kommentare, Predigten, Streitschriften, die sein reformiertes Engagement bezeugen.

Sein Sohn Théodore, 1586 in Sedan getauft, ist ebenfalls Bildhauer und wohnt in Saint-Germain des Près. Paul, ein anderer seiner Söhne, wandert nach Genf aus, wo er nach einer Lehre bei einem Edelsteinhändler in Paris den Beruf eines Schmuckhändlers ausübt. Guillaume Dupré, sein Schwiegersohn und Assistent setzt nach Prieurs Tod 1611 sein Werk fort. Barthélemy Prieur wird auf dem protestantischen Friedhof von Saint-Germain begraben.

Bibliographie

  • Bücher
    • SEELIG-TEUWEN Regina, Barthélemy Prieur, contemporain de germain Pilon, actes du Colloque : Germain Pilon et les sculpteurs français de la Renaissance, La Documentation française, Paris, 1993, p. 400
  • Artikels
    • BRESC-BAUTIER Geneviève, „Justice et paix : le tombeau de Christophe de Thou par Barthélemy Prieur“, La Revue du Louvre, Paris, 1981, Volume 2, p. 10-18
    • LAMY M., „L’inventaire de Barthélémy Prieur, sculpteur du Roi“, Bulletin de la SHPF, SHPF, Paris, avril-juin 1949, p. 41-68
    • LEFEBURE Amaury, „L’atelier de Barthélemy Prieur et l’imagerie royale sous le règne d’Henri IV“, actes du Colloque de Fontainebleau (20-21 septembre 1990), Les arts au temps d'Henri IV, J & D Éditions, 1992, Volume 5, p. 368

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