Die mennonitischen Kirchen

Die im 16. Jahrhundert aus der radikalen Reformation hervorgegangenen, in der Schweiz verfolgten Mennoniten siedeln sich über die Rheinebene hinweg an. Im 17. Jahrhundert führt ein Schisma zu ihrer Spaltung in liberale Mennoniten und konservative Amischer. Letztere wandern in die USA aus. Heute haben die Mennoniten in Frankreich 32 autonome Kirchen.

Ursprünge

  • Menno Simons
    Menno Simons © Archives anabaptistes

Während sich die Lutheraner auf Luther und die (reformierten) Calvinisten auf Calvin berufen, leiten die Mennoniten ihren Namen von Menno Simons (1496-1561) ab, einem holländischen Prediger, der sich 1536 den anabaptistischen Gemeinschaften anschließt. Menno Simons wird zum geistigen Anführer dieser von Jahren der Verfolgung geschwächten und im Untergrund lebenden Gruppen.

Die tatsächlichen Ursprünge der Bewegung liegen in der Schweiz um die 1520er Jahre. In Zürich entsteht um den Reformator Zwingli Zwietracht über die Art, wie die Ideen der Reformation voranzubringen sind: Einige, einschließlich Zwingli, möchten für die Führung der Kirche mit der zivilen Behörde zusammen arbeiten, andere lehnen dies ab und berufen sich auf die Prinzipien des Neuen Testaments und Evangeliums: Trennung von Kirche und Staat und Gläubigentaufe.

Trotz des Dekrets des Zürcher Stadtrats vollzieht Konrad Grebel, einer der Anführer der radikalen Gruppe von Zwingligegnern, am 21. Januar 1525 mit einigen « Brüdern » in einem Privathaus die Erwachsenentaufe. Für diese Tat wird er von der zivilen Obrigkeit zu lebenslanger Haft verurteilt, er kann aber entfliehen. Diese erste Taufe besiegelt den Bruch mit Zwingli. Hieraus ergibt sich der Name Anabaptisten oder Wiedertäufer.

Überzeugungen

  • Mennonite sauvant un ennemi de la noyade, par Willems (1569)
    Ein Mennonit rettet einen Feind vor dem Ertrinken, von Willems (1569) © Mennonite Church USA Archives
  • die Autorität der Heiligen Schrift,
  • das an die Menschen gerichtete Wort Gottes,
  • die Bekenntnistaufe und persönliches Engagement,
  • Gottesgehorsam vor Staatstreue,
  • Gewaltverzicht und Ablehnung des Militärdienstes,
  • Ablehnung des Eides,
  • Nächstenliebe und gegenseitiger Beistand.

Ankunft in Frankreich

  • Une famille amish
    Eine Familie der Amish-Gemeinschaft © Wolfgang Krauss

Die in der Schweiz geächteten und verfolgten Anabaptisten suchen über die Rheinebene hinweg Zuflucht, wo sie in gewissem Maße toleriert werden. In Straßburg und dem gesamten Elsass bestehen ab dem 16. Jahrhundert mehrere Täufergemeinden, die sich durch das gesamte 17. Jahrhundert dort halten können.

Die Abspaltung der Amischen

Um 1690 ist in Markirch/Sainte-Marie-aux-Mines ein « Ältester » namens Jakob Ammann der Ansicht, dass die mennonitischen Gemeinschaften sich von den biblischen Prinzipien ihrer Gründer entfernen: Er fordert die Rückkehr zu einem einfacheren Leben im Geist des Nonkonformismus gegenüber der sie umgebenden Welt. Das Schisma zwischen den konservativen Amischen und den liberaleren Mennoniten ist unabwendbar. Fast alle mennonitischen Kirchen Ostfrankreichs werden amisch.

Dass sie das Schwören von Eiden und das Tragen von Waffen ablehnen, bringt ihnen neue Schikanen ein. In aufeinanderfolgenden Wellen wandern sie in die USA aus. Die Amischen elsässischen Ursprungs wandern aus, die in Frankreich verbleibenden geben die Traditionen und strenge Kleidung hingegen nach und nach auf.

Die Verwaltung der mennonitischen Kirchen

In ihrer Organisation und was das gemeinschaftliche Leben betrifft sind die Kirchen kongregationalistisch aufgebaut, sie sind autonom und eigenständig. Die geistliche Führung jeder Gemeinschaft obliegt im Allgemeinen einem Kollegium von Ältesten, Predigern und Diakonen, diese werden von der aus allen Mitgliedern bestehenden Gemeindeversammlung gewählt. Einige Kirchen (7 im Jahr 2006) besolden ihre Pastoren vollzeitig oder nach Teilzeit. Die anderen arbeiten mit ehrenamtlichen Laien. Die Frauenordination wird nach und nach anerkannt. Die Kirchen sind in der Association des Églises Évangéliques Mennonites de France (Vereinigung der evangelisch-mennonitischen Gemeinden Frankreichs) zusammengeschlossen, die gemeinsamen Werke und Gottesdienste leitet.

Die Gemeinschaftswerke

  • Comité de Mission mennonite français (Französisches Mennonitisches Missionskomitee): Entsendung und Unterstützung des Missionspersonals, derzeit in Laos, Burkina Faso, China, im Senegal und im Tschad.
  • Werke: Les Amis de l’Atelier (Freunde der Werkstatt) in Châtenay-Malabry (Hauts-de-Seine), die Association du domaine Emmanuel (Heime für Behinderte u. Ä.) in Hautefeuille (Sarthe), die Association Fraternelle Mennonite et Servir Valdoie (Territoire de Belfort); Betreuung von Behinderten, Unterkunft für Kinder in Schwierigkeiten, alte Menschen…
  • Hilfskassen: Hilfe für Opfer von Hunger und Naturkatastrophen.
  • Ausbildung: Ausbildungszentrum in Liestal (Schweiz).
  • Centre mennonite d’étude et de rencontre (Mennonitisches Lern- und Begegnungszentrum) in Saint-Maurice (Val-de-Marne).
  • Commission de Jeunesse – Joie et Vie (Jugendkommission – Freude und Leben), Mülhausen (Haut-Rhin): Veranstaltung von Ferienkolonien und -lagern für Kinder und Jugendliche, Aufenthalte für junge Erwachsene und Senioren, Praktika, Themenwochenenden, Chor…
  • Éditions mennonites (Mennonitischer Verlag), Montbéliard (Doubs): Monatsschrift Christ Seul (Christ allein) Veröffentlichung von vierteljährlichen Themenmappen.
  • Association française d’histoire anabaptiste mennonite (Französische Vereinigung für anabaptistisch-mennonitische Geschichte), in Ingersheim (Haut-Rhin), die sämtliche Informationen zu der Geschichte der mennonitischen Vereinigungen zusammenträgt. Jährliche Veröffentlichung: Souvenance Anabaptiste (Anabaptistische Erinnerung).

Soziologische Entwicklung

Über lange Zeiten waren die Mennoniten Landbewohner, die an die Bearbeitung des Bodens und ein einfaches Leben gebunden waren. Zu Anfang des dritten Jahrtausends sind die Landwirte in der Minderheit; die Mennoniten haben ihre Isolation aufgegeben und sich an die heutige Gesellschaft angepasst.

Die Mennoniten in Frankreich und der Welt

  • Mennonites à Blotzheim en 2005
    Mennoniten in Blotzheim (2005) © Claude Nardin

In Frankreich beläuft sich ihre Zahl auf etwa 2050, aufgeteilt auf 32 Kirchen: Die meisten befinden sich im Osten Frankreichs, 3 in der Region Paris.

Weltweit (Zahlen von 2003) sind es 450.000 in Afrika, 208.000 in Asien, 139.000 in Mittel- und Südamerika, 450.000 in den Vereinigten Staaten und Kanada, 53.000 in Europa sowie insgesamt etwa 1.300.000.

Die Mennonitische Weltkonferenz versammelt die anabaptistischen und mennonitischen Gruppen der ganzen Welt.

Beziehungen zu den anderen protestantischen Kirchen

Die mennonitischen Kirchen Frankreichs sind im Dialog mit der Fédération protestante de France (Protestantischer Bund von Frankreich).

Im Bereich der Region Elsass-Moselle haben sie zudem einen Dialog mit der Église de la Confession d’Augsbourg d’Alsace et de Lorraine (ECAAL, Kirche Augsburgischen Bekenntnisses von Elsass und Lothringen) geführt, deren Beschlüsse 1984 von beiden Kirchen angenommen wurden.

Literaturverweis

  • Éditions mennonites, 3 route de Grand-Charmont, F-25200 Montbéliard;
  • Centre mennonite d’études et de rencontre, 13 rue du Val d’Osne, F-94410 Saint-Maurice;
  • Association française d’histoire anabaptiste mennonite, 9 rue du Château Geisberg, F-67160 Wissembourg.
Autor: André Nussbaumer

Bibliographie

  • Bücher
    • MATHIOT, Charles et BOIGEOL, Roger, Recherches historiques sur les Anabaptistes, Le Phare - Flavion, Namur, 1969
    • NUSSBAUMER A. et WOLFF M., Histoire des Assemblées Mennonites françaises à la veille de l’an 2000, Sepher, Herborn, 2003, Volume 1
    • SEGUY, Jean, Les Assemblées anabaptistes-mennonites de France, École des hautes études en sciences sociales, Paris, 1977

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