Christophe- Philippe Oberkampf (1738 – 1815)

Oberkampf gründet in Jouy-en-Josas (Yvelines) eine Stoffdruckmanufaktur, die internationale Bekanntheit erreicht. Als aus der Schweiz kommender Protestant heiratet er, genau wie seine Kinder, in die französische protestantische Gesellschaft ein.

Der Erfolg eines Firmenchefs

  • Christophe Philippe Oberkampf (1738-1815)
    Christophe Philippe Oberkampf (1738-1815) © S.H.P.F.

Christophe-Philippe Oberkampf, geboren in Wiesenbach (Brandenburg-Anspach) ist der Nachkomme einer lutherischen Färberfamilie aus Württemberg. Er lernt seinen Beruf mit seinem Vater, der in Aarau in der Schweiz als Fabrikant von bedruckten indischen Stoffen niedergelassen ist.

1756, im Alter von 18 Jahren, erwirbt der junge Oberkampf seine Selbständigkeit und tritt als Graveur in die Druckmanufaktur von Samuel Koechlin und Dolfuss in Mühlhausen ein. 1758 ist er in Paris, und 1762 wird er Teilhaber mit Antoine de Tavannes, um in Jouy-en-Josas seine Stoffdruckmanufaktur zu begründen, die am Vorabend der Revolution, nach Saint-Gobain das zweite industrielle Unternehmen Frankreichs wird.

Die Manufaktur erreicht zwischen 1765 und 1805 einen unermesslichen Erfolg. Oberkampf stellt die besten Arbeiter ein und ist an der Entwicklung der Druckverfahren beteiligt : während der ersten zehn Jahre mit einem Holzbrett, dann mit einem Kupferbrett und schließlich mit einer hohlen geprägten Kupferwalze, die eine viel grössere Druckgeschwindigkeit ermöglicht.

Die Motive sind sehr verschieden : Blumen, Vögel, Girlanden, aber auch modische Roman- und Fabelfiguren oder exotische Szenen orientalischen Geschmacks. Hervorragende Künstler, wie Jean-Baptiste Huet (1745 – 1811) arbeiten für die Manufaktur.

Oberkampf eignet sich technische Erneuerungen an : Stoffbleichung mit Chlor, die das Auslegen auf den Wiesen ersetzt, Entwicklung einer Grünfärbetechnik in einem statt in zwei Arbeitsschritten, Farbenvielfalt und -festigung, leichte Stoffe, die sowohl für Kleidung als auch für Möbel verwendet werden. Das alles trägt dazu bei, dass die Manufaktur von Jouy einen internationalen Bekanntheitsgrad erreicht.

Unter dem Konsulat (1799 – 1804) richtet Oberkampf eine Chemievorlesung in Jouy ein und lädt dazu berühmte Professoren, wie Berthollet und Gay-Lussac, ein. Um über eine Lieferquelle von Rohmaterialien zu verfügen, beginnt er 1804 den Aufbau einer Spinnerei- und Webereifabrik, die 1810 ihre Arbeit aufnimmt.

Durch verschiedene politische Systeme

  • Le ballon de Gonesse
    Der Ballon von Gonesse © Musée de la Toile de Jouy-Jouy en Josas ©Gérard Dufresne

Obwohl er Protestant war, wurde Oberkampf unter dem Ancien Régime in seinen Tätigkeiten nicht beeinträchtigt. Dennoch bemerkte der Priester von Jouy-en-Josas, sowohl er als auch seine Arbeiter, die nicht zur Messe gingen, seien ein schlechtes Beispiel für die Bevölkerung. Er erhält 1781 vom König Ludwig XVI. die Adelsrechte und seine Manufaktur wird zur Königlichen Manufaktur erhoben.

Anstatt unter der Revolution auszuwandern, erhält Oberkampf seine Manufaktur aufrecht, dank grosser Geschicklichkeit und zu Kosten eines gewissen politischen Opportunismus. Er beleiht den Staat, lässt sich zum Bürgermeister von Jouy wählen und hat teil an der Gründung der populären Gesellschaft von Jouy, über die er dank seines Schwagers Petiteau die Kontrolle behält, während die Nationalgarde von seinem Neffen Samuel Widmer geleitet wird. Die Manufaktur wird als « der Republik nützlich » erklärt.

Trotz alledem beschuldigt 1794 ein Graveur der Manufaktur namens Voët, Oberkampf des Moderantismus und des Royalismus und verklagt ihn vor dem Nationalen Sicherheitsrat. Glücklicherweise bleibt diese Klage erfolglos. Später stellt Oberkampf Voët wieder in der Manufaktur ein.

Unter dem Konsulat und im Kaiserreich gehen die Geschäfte weiter. 1806 kommt Napoleon selbst mit der Kaiserin nach Jouy und verleiht Oberkampf die Ehrenlegion.

1815 wird die Gegend von Jouy von den Preussen und den Kosaken besetzt : die Manufaktur muss geschlossen werden. So stirbt Oberkampf also, entmutigt, nach 55 Jahren industrieller Tätigkeit.

Nach seinem Tod folgt ihm sein Sohn Emile bis zum Verkauf der Manufaktur 1822. Diese stellt 1843 ihre Tätigkeit endgültig ein.

Eine Familie etabliert sich in der evangelischen Gesellschaft

  • Madame Jules Mallet
    Frau Jules Mallet © S.H.P.F.

Die erste Heirat Oberkampfs mit Marie-Louise Petiteau wird 1774 von einem lutherischen Pfarrer an der schwedischen Botschaft in Paris vollzogen.

Nach ihrem Tod 1782 heiratet er 1785 Anne-Michelle Massieu de Clerval : dieses Mal wird die Hochzeit von einem calvinistischen Pfarrer in der Kapelle der holländischen Botschaft in Paris vollzogen.

Wenn Oberkampf auch seine Kinder in der Kirche von Jouy taufen lässt, kümmert er sich darum, sie und seine Neffen gut in die französische protestantische Gesellschaft einzuheiraten.

Seine Tochter Emilie (1794 – 1856), Gattin von Jules Mallet, wird sich durch ihre Beteiligung an zahlreichen Wohltätigkeitswerken auszeichnen.

Bibliographie

  • Bücher
    • CHASSAGNE, Serge, Oberkampf, un entrepreneur capitaliste au siècle des Lumières, Aubier, Paris, 1980
    • ZUBER, Claude, Oberkampf, centre de documentation chimique, Paris, 1939

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