Calvinmuseum

Noyon, 100 km nördlich von Paris, ist eine der großen historischen Städte in Nordfrankreich : seit 531 Bischofssitz (erster Bischof : Saint Médard) ; Noyon wurde von Saint Éloi ( 641 – 660) evangelisiert, dessen Reliquien unter dem Hauptaltar der Kathedrale aufbewahrt werden, eine der ältesten gotischen Kathedralen Frankreichs (viele Teile aus dem 12. Jahrhundert).

Noyon, Hochburg in der Geschichte Frankreichs

  • Calvin
    Calvin © Musée Calvin de Noyon

Der letzte Merowinger Chilpéric II. wurde 721 dort begraben, Karl der Große 768 zum König von Neustrien gekrönt und Hugues Capet 987 zum König von Frankreich.

Noyon war bis zur Französischen Revolution eine kulturelle und geistige Hochburg, wie es die herrliche Kapitularbibliothek aus dem 16. Jahrhundert bezeugt, aber auch ein Zentrum von Protestbewegungen, die durch die Exzesse der klerikalen Macht, die vom Domkapitel ausgeübt wurde, und den leidenschaftlichen Kämpfen um die Bürgerrechte ausgelöst wurden : so wurde Noyon eine der ältesten Gemeinden Frankreichs, die 1108 den Kirchenbehörden seine Charta der kommunalen Freiheiten abtrotzte.

Ein Museum, das dem großen französischen Reformator geweiht ist : Calvin

Calvin wurde am 10. Juli 1509 in Noyon geboren ; von Kind an war er stark durch die Frömmigkeit seiner Mutter geprägt und die mehr oder weniger heftigen Auseinandersetzungen seines Vaters Gérard Cauvin, Verwalter der kirchlichen Güter, mit Domherren und Bischöfen. Dieser zweifache Einfluss, mütterlicherseits (Jeanne Lefranc stirbt, als Jean noch keine 10 Jahre ist) und väterlicherseits vererbt ihm eine mystische Sensibilität und ein streitbares Temperament, wie es übrigens vielen Bewohnern der Pikardie eigen ist. Im Verlaufe seiner Studien in Paris, Orléans und Bourges wird er mit den humanistischen Ideen konfrontiert und besonders mit der Botschaft Luthers. Im Winter 1532-1533 ‘Lutheraner’ geworden, ist er gezwungen, mit 25 Jahren ins Exil zu gehen, und verbringt mehr als die Hälfte seines Lebens als politischer Flüchtling in Genf. Dort stirbt er am 27. Mai 1564, nachdem er ein riesiges Werk geschaffen hat, dessen Einfluss sich über die ganze Welt erstreckt.

Das (vermutliche) Geburtshaus Calvins, das man von Zeichnungen, Drucken und Photographien kennt, die vor 1918 aufgenommen wurden, war zu einer Dependance des Hôtel de France geworden, das im 17. Jahrhundert auf der Place aux Blés gebaut wurde und durch einen kleinen Hof von ihm abgeteilt war. Es wurde von den Religionskriegen und den Invasionen verschont. Im Februar 1553 schreibt Calvin in einem Brief : « Das Haus meines Vaters bleibt allein stehen in der in Schutt und Asche gelegten Stadt ».

Das 1914-1918 zerstörte Geburtshaus Calvins wird wieder aufgebaut

Nach der Einnahme Noyons durch die Deutschen 1914 wurde eine Tafel angebracht, die darauf hinwies, dass das Haus am historischen Geburtsort des Reformators stand. Während der letzten Kriegsjahre wurde sie wie die übrige Stadt völlig zerstört. Die Gebäude, die sie verdeckten, wurden nie wieder aufgebaut.

Die ökumenische Freundschaft zwischen Mgr Lagneau, Erzpriester der Kathedrale, und Pfarrer Pannier, Generalsekretär der Société de l’Histoire du Protestantisme Français (S.H.P.F.), brachte letztere dazu, die Ruine aufzukaufen und dank einer internationale Subskription das Gebäude, das vor 1917 bestand, getreu zu restaurieren (unterer Teil des heutigen Ganzen). Um ein Museum daraus zu machen, wurde der obere Teil hinzugefügt. Die Einweihung fand 1930 statt. Durch die Bombardierungen 1944 beschädigt, wurde das Haus 1954 restauriert und die Installationen 1983 modernisiert ; zu dem Zeitpunkt nahm das Calvinmuseum unter dem Einfluss des Pfarrers Georges Casalis sein heutiges Gesicht an.

Eine reiche Bibliothek und ein bedeutendes Bildmaterial sind im Museum zusammengetragen

  • Chaire de Calvin à Bourges (18)
    Kanzel von Calvin in Bourges © V.M.F.

Außer einer bedeutenden Bibliothek mit Originalwerken (Bibeln, Neues Testament, Kommentare etc.) enthält das Calvinmuseum mehrere Porträtgemälde und Szenen aus dem politischen und religiösen Leben des 16. Jahrhunderts, Porträtdrucke von Calvin und einigen anderen Reformatoren. Bilder von Noyon (Stadt und historische Bauwerke) beschwören die Umgebung seiner Jugend herauf. Neben Dokumenten (wie die berühmte “affaire des placards” von 1534), alten Karten, Medaillen und Siegel, findet man alte Möbelstücke (eine Kanzel aus der Wüste, Truhen aus dem 16. Jahrhundert, eine Kopie der ” chaise magistrale ” von Calvin).

Als Eigentum der Société de l’Histoire du Protestantisme Français wird das Museum von der Stadt Noyon mit Hilfe der Association des Amis du Musée Calvin verwaltet.

Musée Jean Calvin
6 place Aristide Briand 60400 Noyon
Tel : +33 (0)3 44 44 03 59
Kontakt : conserv.musee@noyon.fr
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Autor: Calvinmuseum

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